Interview mit Sandra Åslund - Tipps für Ihren Aufenthalt in der Provence

Sandra Åslund lebt mit ihrer Familie in Berlin. In ihren Krimis dreht sich allerdings alles um die Provence und die sympathische Ermittlerin Hannah Richter. Hier ihre Urlaubstipps im Überblick.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsort im Vaucluse in der Provence? Haben Sie einen Geheimtipp?

Mein persönlicher Lieblingsort im Département Vaucluse in der Provence ist Vaison-la-Romaine. Von anderen pittoresken Touristenstädtchen unterscheidet sich Vaison in einer Besonderheit: Hier liegt Frankreichs größte gallo-romanische Ausgrabungsstätte. Allein ein Besuch auf dem Gelände ist ein Erlebnis:
Es gibt ein antikes Theater, das immer noch bespielt wird, und dessen Vorstellungen in der Hauptsaison meist lange zuvor schon ausverkauft sind.
Weiter befindet sich auf dem Ausgrabungsgelände ein Museum mit 3-D-Animationen über das Leben im alten Rom. Besonders gern flaniere ich über die rue des Boutiques, die antike Einkaufsstraße, oder wandere zwischen den Überresten einiger Villen umher und stelle mir vor, wie die betuchten Römer damals hier gelebt haben.

Daneben besitzt Vaison eine wunderbare, an einem Hang gelegene Altstadt mit engen verwinkelten Gassen, Restaurants und kleinen Geschäften. Über allem thront auf einem Felsen die Ruine eines alten Châteaus aus dem 12. Jh. Von dort hat man einen traumhaften Blick über die Stadt und die nähere Umgebung. Es ist einer meiner absoluten Lieblingsplätze, an dem ich diverse Szenenentwürfe geschrieben habe.

Zum Schwimmen und Entspannen fahre ich gern an den außerhalb von Vaison gelegenen Lac du Paty, der ein echter Geheimtipp unter Franzosen ist. Kaum ausgeschildert, findet man diesen herrlichen, naturbelassenen Badeplatz nur, wenn man von ihm weiß.

Was sollten Besucher, die zum ersten Mal im Vaucluse in der Provence sind, auf jeden Fall sehen / unternehmen?

Avignon mit seiner bekannten Brücke, dem Papstpalast und dem im Juli stattfindenden Theaterfestival (Achtung: in dieser Zeit befindet sich die sonst beschauliche Stadt in einem turbulenten, sehens- und erlebenswerten Ausnahmezustand) ist immer einen Ausflug wert.

Ebenso Orange mit seinem antiken Theater und der berühmten, erstaunlich guterhaltenen und in der westlichen Welt einzigartigen Bühnenwand (von Louis XIV einst als „die schönste Mauer meines Königreichs“ bezeichnet). Hier startet in meinem ersten Roman „Mord in der Provence“ die Krimihandlung mit einem spektakulären Todesfall.

Eine weitere Sehenswürdigkeit spielt in diesem Buch eine Rolle, nämlich der bei Nîmes gelegene, für einen Besuch absolut empfehlenswerte Pont du Gard. Der Aquädukt aus der Mitte des ersten Jh.n.Chr. ist eines der beeindruckendsten römischen Bauwerke der Region.

Was sollte man in der Provence machen/erleben/sehen, um sich wie ein Einheimischer zu fühlen?

Ein Besuch auf dem Wochenmarkt von Vaison, der jeden Dienstag stattfindet, ist ein Muss. Die Einheimischen kaufen eher zur frühen Stunde ihr Gemüse und Obst an einem der zahlreichen Stände und gehen auf diese Weise der Hitze sowie den Touristenströmen aus dem Weg.

Ein bisschen Zeit sollte man mitbringen, um das reichhaltige Sortiment an Produkten aus der Region zu entdecken, darunter Oliven, Ziegenkäse, Brot, Tapenade, Lavendelhonig, Marmelade, Gewürze, Kräuter, Seife, Stoffe, Töpferwaren und noch vieles mehr.

Auch ein Buchantiquar hat seinen Stand dort. In einem Sommer entdeckte ich bei ihm eine komplette gebundene Ausgabe von Prousts „À la recherche du temps perdu“ – bis heute bereue ich, damals nicht zugeschlagen zu haben.


Ihr regionales Lieblingsrestaurant oder ein Lieblingsgericht?

Ich statte bei jedem Aufenthalt mindestens einmal einen Besuch bei der am Fuße der Altstadt von Vaison gelegenen Crêperie La Pomme ab (unter dem Namen „Chez Nicolas“ taucht sie in meinen Büchern auf). Hier gibt es neben verschiedenen süßen Crêpe-Varianten eine Vielzahl an herzhaft belegten bzw. gefüllten Galettes.

Reisende, die zum ersten Mal ins Vaucluse kommen, sollten unbedingt auch nach Séguret fahren, einem idyllischen Nachbarort von Vaison-la-Romaine. Dort findet sich ein zauberhafter kleiner Salon de Thé mit delikaten Kuchen, Tartes und Gebäckarten, die in der oberen Etage des schmalen Natursteinhauses von der Besitzerin gebacken werden. Ich persönlich bin ein großer Fan des fondant au chocolat und trinke dazu mit Wasser verdünnten Rosen- oder Lavendelsirup.

Ein ganz besonderes Restaurant findet sich in Villeneuve-lès-Avignon: Naturabsolu. Ich habe es per Zufall entdeckt und war total begeistert über die Qualität der Speisen. Alle Zutaten sind biologisch und auf außergewöhnliche Art zubereitet. Im Mittelpunkt steht die naturbelassene, „lebende“ Nahrung und der natürliche Geschmack. Die Besitzer, ein junges Paar, sind sehr liebenswert.


Ihr Lieblingsspaziergang in der Region

Ich liebe sowohl die Wanderung von Vaison nach Crestet als auch die von Vaison nach Séguret, beides pittoreske Gebirgsdörfer mit Natursteinhäusern, engen Gassen und den nostalgisch anmutenden Dorfbrunnen. Unterwegs kann man in die für diese Ecke der Provence so typische Landschaft eintauchen.

Wer sich gern mehr anstrengt oder vielleicht auch etwas klettern möchte, der sollte unbedingt in die nahe gelegenen Dentelles de Montmiraille fahren.

Eine größere Tour ist die vom Chalet Reynard zum Gipfel des Mont Ventoux, mit knapp 2000 Metern der höchste Berg der Region. Eine der anstrengendsten Etappen der Tour de France führt hier hinauf. Um den Mont Ventoux herum gibt es zahlreiche kleinere Wandertouren durch die herrliche Gebirgslandschaft. Ein unvergessliches Erlebnis ist ein Sonnenaufgang dort oben.


Die Region in fünf Sinnen!

Sehen: Der tiefblaue Himmel über den Weinfeldern , die sich auf sanften Hügeln erstrecken, mit der malerischen Kulisse eines Gebirgsdorfs im Hintergrund. Alte knorrige Olivenbäume, Blütenexplosionen an Oleandern, Sonnenblumen, Passionsblumen. Das einzigartige Licht, das alles klarer und schärfer zeichnet und die Farben stärker strahlen lässt – nicht umsonst haben sich so viele Maler hier niedergelassen.
Hören: Das Zirpen der Zikaden. Das Rauschen des Windes in den Platanen.
Riechen: Lavendel, Rosmarin, Thymian – der Duft der Kräuter, die oftmals als ausladende Büsche wild in der Natur wachsen. Süße Melonen und saftige Aprikosen. Rosen – betörender als jedes Parfum.
Schmecken: Junger bis mittelalter Ziegenkäse zu ofenwarmem Walnussbaguette, ein Schälchen gemischte Oliven, ein paar frische Tomaten, dazu ein kräftiger Rotwein –damit bin ich kulinarisch vollkommen glücklich.
Fühlen: Die kraftvollen Sonnenstrahlen auf der Haut. Der Mistral, der mit seiner erfrischenden Kühle überrascht.


Was sind Ihre zukünftigen Projekte?

Gerade bin ich dabei, den dritten Band meiner Provence-Krimi-Reihe zu beenden.
Wie schon in den beiden ersten Büchern geht es um die Kölner Ermittlerin Hannah Richter, die es immer wieder in diese malerische Region Südfrankreichs verschlägt. Der Roman wird Ende des Jahres erscheinen. Zum ersten Mal spielt ein Handlungsstrang in Köln. Ideen für einen weiteren Band habe ich bereits, doch die sind noch streng geheim.


Ein Ort bei schlechtem Wetter

Falls das Wetter einmal nicht provenzalisch sonnig und heiß sein sollte, empfehle ich einen Besuch im Papstpalast in Avignon. Sehen Sie sich die alte Tür mit dem Loch an, die Penelope im ersten Buch eine Vision beschert, und lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf ...

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