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Interview mit Pierre Lagrange: Tipps für Ihren Aufenthalt im Vaucluse

Der unter dem Pseudonym Pierre Lagrange bekannte Krimiautor siedelt seine Mordfälle mit Vorliebe in der Provence an, genauer gesagt im Departement Vaucluse. Hier ein paar seiner Empfehlungen zu seiner Lieblingsregion.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsort im Vaucluse?

Das ist Venasque. Es ist kein großer Ort, auch nicht sehr touristisch oder spektakulär, eigentlich ein beliebiges Dorf. Aber es ist wunderbar auf einem Felsen gelegen und für mich eine Art komprimierte Provence. Die Aussicht ist großartig. Es gibt eine alte Stadtmauer, gute Restaurants und Galerien sowie eine sehr alte Kirche und viel Geschichte. Als ich mich einmal für die Historie von Venasque interessierte, dachte ich: Meine Güte! Dieses kleine Dörfchen war einmal Bischofssitz? Auch die Albigenserkreuzzüge, die Päpste, die Hugenottenkriege und die Französische Revolution haben dort ihre Spuren hinterlassen.

Was sollten Besucher, die zum ersten Mal im Vaucluse sind, auf jeden Fall machen?

Natürlich gibt es ein Pflichtprogramm. Man muss auf den Ventoux und die Geschäfte der Anitquitätenhändler in L'isles-sur-la-sorgue anschauen. Die Ockerbrüche in Roussillon sollte man sehen, unterwegs in Gordes stoppen und einen Abstecher zum Kloster Senanque machen. Fontaine-de-Vaucluse und Avignon gehören unbedingt zum Besuchsprogramm.

Ihr regionales Lieblingsessen?

Das ist ein Gigot – eine Lammkeule, die mit sehr viel Knoblauch gemacht wird. Es gibt unterschiedliche Rezepte und Zutaten, aber im Kern bleibt es eine Lammkeule mit Knoblauch, zu der gut Gemüse und Ofenkartoffeln passen. Dazu empfiehlt sich entweder ein frischer Rosé oder ein Gigondas. Und ein Gigot bringt immer mit sich, dass man zu mehreren isst.

Ihr Lieblingsspaziergang in der Region?

Man kann sehr viele unternehmen, aber am liebsten ist und war mir immer ein Gang durch Roussillon und die Ockerbrüche. Es ist eine enorme Schweinerei, denn die Farbpigmente, die in den Ockerbrüchen schon von den Römern abgebaut wurden, sind sehr pur und sehr schmierig. Man sollte also nicht die besten Schuhe und Sachen anziehen. Aber man wird belohnt mit einem fantastischen Canyon aus intensiven Farben – Rot, Gelb, der knallblaue Himmel, die grünen Pinien: Man meint dort, man sei direkt in ein Gemälde gefallen.

Die Region in 5 Sinnen

  • Geruch: Der Duft von Rosmarin und Lavendel.
  • Geräusch: Das Sausen vom Mistral.
  • Geschmack: Der Geschmack von Rotwein und Knoblauch.
  • Aussicht: Die Sicht von der Spitze des Ventoux bis zum Mittelmeer.
  • Gefühl: Stechende Sonne auf der Haut.

Was sind Ihre nächsten Projekte? Spielen sie auch im Vaucluse oder in einer anderen Region?

Mein nächster Roman „Mörderische Provence“ erscheint Anfang Mai 2018 und spielt wiederum in der Region Vaucluse, wo mein pensionierter Ermittler Albin Leclerc bei Carpentras lebt. Eine gewisse Rolle spielt in dem Krimi dieses Mal Marseille – das heißt, die Geschichte von Marseille im Zweiten Weltkrieg bildet den Hintergrund. Aber grundsätzlich sind meine Geschichten rund um Albin Leclerc in der Provence und der Region Vaucluse verortet.

Warum das Vaucluse? Was verbindet Sie mit der Region?

Meine Mutter und ihr Mann hatten die Nase voll von Deutschland und haben ein kleines Hotel mit Restaurant in St. Didier aufgemacht. Es hieß "La Serignane", war früher einmal eine Seidenspinnerei und ein kleiner Geheimtipp vor allem unter deutschen Provencetouristen. Ich hatte daher immer schon vor, den Süden Frankreichs als Schauplatz für einen Thriller oder Krimi zu wählen. Außerdem ist die Region wirklich prallvoll mit Geschichte, die von der Steinzeit über die Antike bis heute reicht – eigentlich andauernd ist irgendetwas dort passiert, das sich wunderbar mit einem Spannungsroman verbinden lässt.

Gibt es für Ihre Figuren reale Vorbilder?

Nein. Es macht mir mehr Spaß, mir Figuren glaubhaft auszudenken und mit Attributen zu versehen, die ich für eine Geschichte benötige. Im Fall von Albin Leclerc war es allerdings andersherum. Ich hatte die Idee von einem pensionierten, störrischen Polizisten mit Hund, der nicht zum alten Eisen gehören will. In Deutschland spielen inzwischen viele Senioren Boule. Vor meinem geistigen Auge sah ich meinen Polizisten dort herumstehen und sich langweilen – und dachte eines Tages: Warum steht er nicht in der Provence herum, und zwar mit einem Pastis in der Hand und einer Gitanes im Mundwinkel? Der Rest geschah von selbst.

Was sollte man im Vaucluse unternehmen, um sich wie ein Einheimischer zu fühlen?

Ich empfehle, sich einfach mit einem Kaffee oder einem Rosé in ein Eckcafé zu setzen und dem Leben zuzuschauen. Danach steht man auf, geht über den Wochenmarkt und kauft ein paar Sachen, trinkt vielleicht irgendwo einen Rosé und isst danach im Freien unter einer Platane an einem alten Holztisch, wozu es einen Rosé gibt. Nach dem Essen macht man einen kleinen Spaziergang und stoppt irgendwo, um beim Petanque zuzusehen – und trinkt am besten noch einen Rosé...

Ein Ort bei schlechtem Wetter

Der Papstpalast in Avignon. Aber man darf nicht zu viel erwarten, wenn man zum Beispiel den Vatikan in Rom gesehen hat. Das Papstpalais in Avignon sieht eher aus wie eine schmucklose Festung, was wohl Ausdruck der kriegerischen Zeiten ist, in der die Päpste nach Südfrankreich zogen und sich dort den Palast bauten. Auch drinnen fühlt man sich eher an eine triste Burg erinnert, eine sehr große jedoch. Schmucke Fresken von großen Künstlern wie in Rom gibt es hier nicht. Aber hochinteressant ist ein Besuch in jedem Fall.

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