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Interview mit Andreas Heineke - Tipps rund um die Provence

Andreas Heineke hat im März 2017 sein Krimidebüt gegeben

Im März 2017 hat Andreas Heineke mit "Tod à la Provence" sein Krimidebüt gegeben. Hier einige Insider-Tipps des Autoren zu seiner französischen Lieblingsregion - der Provence.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsort in der Provence?

Meine Lieblingsregion ist eindeutig der Luberon. Diese Gegend verzaubert mich jedes Mal auf’s Neue. Die Häuser, die Gassen, die Hügel, die Weinberge. Ich fahre dorthin und fühle mich angekommen. Eines meiner Lieblingsorte ist der im Sommer leider vollkommen überlaufende Ort Lourmarin. Hier habe ich auch meine Schreibstube, in der ich mehrmals im Jahr schreibe. Es ist egal, wo man in dem Ort hinschaut, wo man den Fotoapparat hinhält, man kann wild abdrücken und bannt immer Schönheit im Objektiv. Das ist das, was mich an diesem Ort so fasziniert. Wie jeder Einwohner in Lourmarin bestrebt ist, auch die kleinste Ecke so zu gestalten, dass sie schön ist. Die frischen Sonnenblumen auf der Fensterbank, in der noch so kleinen Gasse, oder die Lavendelzweige über der Tür einer kleinen Wohnung. Diese Perfektion des scheinbar Nebensächlichen hat in der heutigen Gesellschaft auch etwas Beängstigendes, fast schon Weltfremdes. Dadurch eignet sich der Ort so gut als Schauplatz von Kriminalfällen. Lourmarin ist so, wie das Leben sein könnte, aber am Ende eben nicht ist. Ein Tag in Lourmarin ist also wie eine Flucht vor der Welt. Besonders empfehle ich übrigens ein Besuch auf dem Friedhof, dort liegt der Nobelpreisträger Albert Camus. Das Grab muss man lange suchen, es ist zwischen all den prächtigen Grabstätten sehr unscheinbar und bescheiden gestaltet. Ich finde, das sagt viel über den Autor und diesen Ort. Die Tochter lebt übrigens noch in Lourmari, will aber unerkannt bleiben.

Was sollten Besucher, die zum ersten Mal in der Provence sind, auf jeden Fall machen?

Die vielen Ort anschauen. Gordes, Lourmarin, Bonnieux, und sich in jedem Fall in den Sommermonaten einmal in die Reihe der Einwohner und Touristen einreihen, um über einen der Märkte zu gehen. Regionale Spezialitäten genießen und z.B. in L’Isle-sur-la-Sorgue ein Hähnchen kaufen und es mit Blick auf die Sorgue und die Straßenkünstler im Schatten der Platanen essen. Außerdem lohnt sich ein Abstecher in den Ort Saignon, um den der Tourismus einen Bogen gemacht zu haben scheint. Einst gab es hier eine Auberge, in der auch einer meiner früheren Romane „Der Sound der Provence“ spielte, aber seit Jahren hat das Hotel die Tore geschlossen. Jetzt kommt kaum noch jemand nach Saignon. Hier kann man selbst im Sommer die ursprüngliche südfranzösische Lebensweise entdecken.

Ihr regionales Lieblingsrestaurant?

Das Cafe Veranda in Ménerbes ist mein Favorit. Ich habe dort den besten Stockfisch meines Lebens gegessen und so geht es mir mit allen Gerichten auf der Karte. Einfach den Koch machen lassen und das Menü nehmen, das empfohlen wird.

Noch spannender ist es bei Madame Sylvie in Bonnieux, oben am Marktplatz. Hier kann man gar nichts bestellen, man isst das, was auf den Tisch kommt. So etwas gefällt mir. Beide Restaurants spielen in meinem nächsten Buch übrigens auch eine Rolle.

Ihr Lieblingsspaziergang in der Region?

Es gibt einen Spaziergang rund um den Ort Lourmarin, der sogar ausgeschildert ist, bei dem man in geheimnisvolle Gärten schauen kann, aber auch am Haus von Camus vorbeikommt. Highlight ist natürlich das Schloss, das seinen Ursprung im 11. Jahrhundert findet und eine sehr bewegte Geschichte hat. Je mehr Wissen man über Lourmarin anhäuft, umso interessanter ist es. Der Ort wurde im 14. Und 15. Jahrhundert durch die Pest und Plünderungen fast vollständig entvölkert, hat aber dank der günstigen Lage des Handels schnell wieder zur Blüte gefunden.

Die Provence in 5 Sinnen

  • Ein Geruch: Thymian, Rosmarin und Lavendel natürlich, aber in den Orten gibt es immer irgendein Restaurant, aus dem es wunderbar duftet. Kurz: Nach gutem Essen.
  • Ein Geräusch: Die Zikaden im Sommer machen so einen Lärm, dass man aus gutem Grund abends lange draußen sitzt, weil an Schlaf ohnehin nicht zu denken ist. Und die Boulekugeln, die aneinanderschlagen. In fast jedem Ort gibt es einen Bouleplatz, auf dem meist die Einheimschen spielen.
  • Ein Geschmack: Der Geschmack der Provence ist für mich wechselnd, meist aber hat er mit einem guten Mittagessen zu tun.
  • Eine Aussicht: Ich muss an dieser Stelle etwas Illegales empfehlen. In Saignon gibt es am Ende des Dorfes einen Berg, von dem man einen wunderbaren Blick über den Luberon hat. Vor einigen Jahren ist dieser Berg, auf dem einst eine Burg stand, aber für die Öffentlichkeit gesperrt worden. Warum, weiß ich nicht, wahrscheinlich hat ein Russe den ganzen Berg gekauft. Ich war trotzdem oben und bin auch anderen Leuten begegnet. Einfach machen, ein bisschen Nervenkitzel im Urlaub tut gut und oben wird man mit einer grandiosen unvergleichlichen Aussicht belohnt.
  • Ein Gefühl: Wenn es das Paradies auf der Welt gibt, dann finde ich es dort.

Was sind Ihre zukünftigen Projekte? Werden Sie auch in der Provence spielen?

Es wird im Jahr 2019 einen zweiten Fall für meinen Dorfgendarm Pascal Chevrier geben. Er wird ebenfalls in dem Phantasieort Lucasson bei Lourmarin spielen. Eine Entdeckung in der Haute Provence hat gerade dazu geführt, dass ich im Moment dabei bin, es umzuschreiben. Die Recherche ist diesmal sehr aufwendig und führt zurück bis in das Mittelalter.

Warum die Provence? Was verbindet Sie mit der Region?

Die Provence ist trotz meiner vielen Arbeits- und Urlaubsaufenthalte immer ein Sehnsuchtsort geblieben. Ich bin früher schon mit dem Campingbus dorthin gefahren und habe inmitten von Lavendelfeldern oder Weinbergen übernachtet. Heute undenkbar. Ich habe mir immer vorgestellt, wie es wohl wäre, dort zu leben. Inzwischen gibt es diesen Wunsch nicht mehr, aber ein Leben ohne Provence-Aufenthalte hätte für mich eine gewisse Sinnlosigkeit. Es verbindet mich vor allem die Liebe zu gutem Essen und gutem Wein mit dieser Gegend. Die Lebensfreude und der Spaß am Schönen und Köstlichen kommt meiner Lebensphilosophie sehr entgegen. In der Mittelmeerstadt Montpellier habe ich im Sommer auf einem Marktplatz einmal ein junges Paar beobachtet, das einen Kassettenrecorder auf den Boden gestellt hat und angefangen hat, zu Swing-Musik zu tanzen. Kurze Zeit später tanzten immer mehr Leute. Ich dachte erst, es ist ein Flashmob, spürte dann aber die Hingabe dieser Menschen, die das Leben feiern wollten. Einfach so, weil es gerade Spaß macht.

Gibt es für Ihre Figuren reale Vorbilder?

Nein, ich glaube aber, dass in jeder Figur etwas von einem selbst steckt.

Was sollte man in der Provence unternehmen, um sich wie ein Einheimischer zu fühlen?

Ich habe eigentlich nie danach gesucht. Ich wollte immer den Blick eines Erzählers haben und ich mag auch diese Distanz und die Geheimniskrämerei der Südfranzosen, die mich mehr inspiriert als das Wissen jedes Details. Für mich muss die Provence ein Sehnsuchtsort bleiben. Dennnoch: Der Weinjournalist und Autor Hragyr Berberoglu hat einmal gesagt:„Pastis ist ein Zaubertrank – das erste Glas führt zum zweiten und das zweite sehr oft zum dritten. Aber seien sie vorsichtig, denn Pastis ist tückisch. Ehe man sich versieht, braucht man Hilfe beim Laufen, es sei denn, Sie sind ein Provenzale.“ Das kann man mal ausprobieren, um sich als Provenzale zu fühlen. Und außerdem mal im Winter hinfahren, wenn kein Tourist da ist.

Ein Ort bei schlechtem Wetter

In ein Café setzen und den Provenzalen zusehen, wie sie fassungslos in den Himmel schauen und nicht glauben können, dass es wirklich regnet.

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