Radtourismus: der Fernradweg Eurovelo 6

  • Orléans an der Loire mit Bogenbrücke Pont George V

    Orléans an der Loire mit Bogenbrücke Pont George V

    © SergiyN/ shutterstock.com

  • Schloss Chambord

    Schloss Chambord

    © Vladimir Sazonov/ shutterstock.com

  • Schloss Sully-sur-Loire

    Schloss Sully-sur-Loire

    © Vladimir Sazonov/ shutterstock.com

  • Zitadelle von Besancon

    Zitadelle von Besancon

    © Kate Connes/ shutterstock.com

Radtourismus: der Fernradweg Eurovelo 6 St. Nazaire fr

Auf fast 4000 Kilometern führt Europas längster Radwanderweg EuroVelo 6 begeisterte Radfahrer ganz im Sinne eines grünen Tourismus quer durch 10 Länder vom Atlantischen Ozean in Frankreich bis zum Schwarzen Meer in Rumänien. Beginnend mit der Loire über den Rhein bis hin zur Donau folgt die EuroVelo 6 damit den drei größten europäischen Flüssen.

Der durch Frankreich führende Abschnitt mit ungefähr 1300 Kilometern Länge eignet sich aufgrund seines überwiegend flachen Reliefs ideal für Familien und weniger geübte Radfahrer. Touren- und Rennräder bieten in diesem Gelände eine perfekte Voraussetzung für einen unvergesslichen Radurlaub. Die in der Regel gut ausgezeichneten und zusammenhängenden Radwege sind zu etwa 70 % frei von jeglichem Verkehr; die restlichen Streckenabschnitte führen über ruhige asphaltierte Landstraßen.

Die Streckenabschnitte der Fahrradroute

Im Loiretal von Saint-Nazaire bis Orléans (ca. 460 Kilometer)

Dort, wo die Loire in den Atlantik mündet, liegt das Eingangstor zur EuroVelo 6. Auf einer der berühmtesten Radreiserouten Frankreichs, dem Loire-Radweg „Loire à vélo“, folgt man dem zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden königlichen Tal der Loire. Hinter Nantes bieten zahlreiche Lustschlösser wie Chambord, Chenonceau und Villandry eine märchenhafte Kulisse und mit ihrem glanzvollen Prunk zudem eine fulminante Reise in die Vergangenheit der französischen Noblesse. Neben der Besichtigung von geschichtsträchtigen Städten wie Blois und Tours sollte man sich unbedingt Zeit für die pittoresken Dörfer jenseits der Hauptroute sowie die von Graureihern und Ottern geprägte Fauna nehmen. Eine sicherlich einzigartige Nacht verbringt man zum Beispiel in einer der Höhlenwohnungen im Höhlental von Goupillières in Azay-le-Rideau.

Der Natur auf der Spur von Orléans bis Nevers (ca. 220 Kilometer)

Hat man Orléans mit seiner im gotischen Stil errichteten Kathedrale erst einmal hinter sich gelassen, darf man sich auf ein Stück intakte Natur mit Bibern, Schwänen, Möwen und Seeschwalben freuen. Über viele Treidelpfade kommt der Radtourist an der Abtei von Saint-Benoît-sur-Loire, dem Château de Sully-sur-Loire sowie dem Herzogenpalast von Nevers vorbei.

Kulinarischer Hochgenuss im Burgund von Nevers bis Dole (ca. 350 Kilometer)

Hinter Nevers erwartet die Zweiradtouristen eine kulinarische Genussreise ins Burgund mit seinen weltberühmten Grands Crus. Auf saftigen Wiesen grasen seelenruhig die berühmten Charolais-Rinder inmitten einer von Flüssen und Kanälen bestimmten hügeligen Landschaft. In der Keramikstadt Digoin verlässt man den Flusslauf der Loire und folgt dem Canal du Centre bis nach Chalon-sur-Saône, der Heimstadt des Erfinders der Fotografie, Nicéphore Nièpce. Nach einem kurzen Abschnitt entlang der Saône trifft man schließlich auf den Doubs.

Das wilde Tal des Doubs und das Oberelsass von Dole bis Basel (ca. 250 Kilometer)

Der Doubs schlängelt sich sanft durch ein flaches Tal an Besançon vorbei mit seiner weltberühmten Vauban-Zitadelle bis nach Mulhouse, wo ein Besuch der örtlichen Automobil- und Eisenbahnmuseen durchaus lohnenswert ist. Ein kleiner Umweg durch den Forêt de Chaux zu den königlichen Salinen von Arc-et-Senans sollte unbedingt auf dem Programm stehen. Nach einem kleinen Stück entlang des Rheins ab Mulhouse durch den Sundgau mit seinen Fachwerkbauernhöfen endet der französische Teil der EuroVelo 6 schließlich in Basel.

Praktische Informationen für den Radurlauber

Aufgrund des milden Klimas entlang des französischen EuroVelo 6-Abschnittes kann man sich prinzipiell das ganze Jahr über auf den Sattel schwingen und die Tour von Saint-Nazaire bis Basel auf zwei Rädern erleben. Vor allem in der Ferienzeit im Juli und August ist jedoch mit stark frequentierten Strecken und häufig ausgebuchten Unterkünften zu rechnen. Zwischen November und März können einzelne Abschnitte entlang der Loire aufgrund von Hochwasser unpassierbar sein.

Gerade für Familien mit jüngeren Kindern und für Radsportanfänger sind Tagestouren von maximal 30 bis 40 Kilometern zu empfehlen. Besonders für mehrtägige individuelle Radtouren sollten Schlafsäcke, Wasserflaschen, Helme, ein GPS-Gerät, ein Reparaturkit, ein Campingkocher, spezielle Rad- und Regenbekleidung sowie Energieriegel im Gepäck auf keinen Fall fehlen. Beim Passieren der Schweizer Grenze in der Nähe von Basel ist zudem ein gültiger Ausweis mitzuführen. Das Gepäck verstaut man idealerweise nicht komplett im Rucksack, sondern am besten in speziellen Sattel- und Lenkradtaschen.

Entlang der Strecke warten mitunter sog. Veloguides darauf, bei Fragen und Problemen behilflich zu sein sowie Informationen zur Umgebung zu liefern. Unter dem Label „Accueil Vélo“ findet man Einrichtungen, die sich auf den Radtourismus spezialisiert haben und Serviceleistungen wie Reparatur, Verleih und Gepäcktransfer anbieten. Hinsichtlich der Unterkünfte erfreuen sich neben Hotels und Campingplätzen in Frankreich bei Radfahrern vor allem Gästezimmer und Wanderhütten großer Beliebtheit.

Auch Frankreichs öffentlicher Nahverkehr hat sich in der Zwischenzeit auf Radtouristen eingestellt und so ist die Fahrradmitnahme in den meisten Regionalzügen (TER) kostenfrei und nicht reservierungspflichtig. Eine vorherige Reservierung verbunden mit zusätzlichen Kosten ist hingegen in TGV- und Corail-Zügen erforderlich. Nähere Informationen zur Fahrradmitnahme in einzelnen Zügen findet man auf der Webseite der Deutschen Bahn oder Französischen Bahn SNCF.

Weitere Details und hilfreiche Informationen für die Tourenplanung wie Streckenbeschreibungen und Übernachtungsmöglichkeiten findet man auf der offiziellen Seite der EuroVelo 6 unter www.eurovelo6.org.

Kartenmaterial und Radwanderführer

Das umfangreichste und aktuellste Kartenmaterial für den französischen Teil der EuroVelo 6 bieten der Huber Verlag und Michelin sowie der BVA Bielefelder Verlag an. Die enthaltenen sechs Einzelkarten zu verschiedenen Teilabschnitten können auch separat erworben werden. Neben detaillierten Stadtplänen findet man darin auch nähere Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Service-Punkten für die Reparatur oder den Verleih von Fahrrädern sowie Adressen von Unterkünften in deutscher, französischer und englischer Sprache.

Ausschließlich in französische Sprache ist ein zweibändiger Radwanderführer des Chamina Verlages erhältlich. Der erste Teil „La Loire à vélo“ beschreibt die Strecke von der Loire-Mündung am Atlantik bis nach Nevers; der zweite Teil „EuroVelo 6 Atlantique – Mer Noire“ konzentriert sich auf den Abschnitt von Nevers bis Basel.

Empfehlenswert sind zudem die Radwanderführer „En roue libre de l’Atlantique à la mer Noire“, „Die schönsten Radtouren in Europa: Auf zwei Rädern den Kontinent entdecken“ sowie „Fahrradführer Europa“.

In der Nähe