Hausbooturlaub in Frankreich

  • Der Canal de Bourgogne gehört zu den schönsten Kanälen Frankreichs.

    Der Canal de Bourgogne gehört zu den schönsten Kanälen Frankreichs.

    © Atout France - CRT Bourgogne - Alain Doire

  • Der Canal du Nivernais verbindet Loire und Seine miteinander.

    Der Canal du Nivernais verbindet Loire und Seine miteinander.

    © Atout France - CRT Bourgogne - Alain Doire

  • Ein Schild am Canal du Midi klärt über die Entfernungen zwischen den Schleusen auf.

    Ein Schild am Canal du Midi klärt über die Entfernungen zwischen den Schleusen auf.

    © Atout France - Martine Prunevieille

Hausbooturlaub in Frankreich

Es ist die Entdeckung der Langsamkeit zu Wasser. Hausbooturlaub bedeutet: Stress und Hektik abstreifen und sich im eigenen Rhythmus durch die Natur fortbewegen. Kaum ein anderes Land eignet sich so gut für diese Art der Entschleunigung wie Frankreich.

Frankreich, das Land der Flüsse und Kanäle. Und des Hausbootsurlaubs. Denn auf vielen Wasserstraßen hat der Gütertransport praktisch keine Bedeutung mehr. Genug Platz und Ruhe also für all jene, die die Landschaft unmittelbar und intensiv erleben möchten. Dort anlegen, wo es am schönsten ist? Spontan zwei Tage bleiben, die Gegend per pedes erkunden oder eine Radtour einschieben? Unabhängig von Restaurant-Öffnungszeiten im schwimmenden Feriendomizil speisen? Kein Problem. Ohne Zweifel, Hausbooturlaub ist etwas für Individualisten …

Nur eines ist hier aussichtslos: schnell weiterfahren. In Frankreich dürfen Hausboote – ganz im Sinne der Entschleunigung – mit maximal zehn Stundenkilometern über die Flüsse tuckern, auf den Kanälen ist sogar schon bei sechs Stundenkilometern Schluss. Dafür kann praktisch jeder ab 18 Jahren Kapitän werden: Für Hausboote von unter 15 Metern Länge ist kein Führerschein erforderlich. Nur ein paar Dinge gilt es zu beachten – zum Beispiel, dass das Fahren nach Einbruch der Dunkelheit strikt untersagt ist.

Französische und auch deutsche Agenturen, die Hausboote vermitteln, gibt es genug. Sie können Ihr Feriendomizil also in aller Ruhe von zu Hause aus buchen. In Frankreich bekommen Sie in aller Regel am Abfahrtstag eine gründliche Einweisung, nach Möglichkeit wird man Sie auch durch die erste Schleuse begleiten. An Bord finden Sie Wasser-, Navigationskarten und zusätzliches Infomaterial zum fachgerechten An- und Ablegen und anderen Themen.

Hausboot-Reviere in Frankreich

Jetzt müssen Sie nur noch die richtige Route wählen. Hier in alphabetischer Reihenfolge die Hausboot-Paradiese Frankreichs mit den entsprechenden Wasserstraßen:

Hausbooturlaub im Anjou

In dem zwischen Loire und Bretagne gelegenen Weinbaugebiet sind über 300 Kilometer Wasserwege der Freizeitschifffahrt vorbehalten. Hausbooturlaub ist hier auf den Loire-Nebenflüssen Mayenne, Sarthe und Oudon möglich. Zahlreiche Schlösser und Abteien, zum Beispiel die Abtei von Entrammes, säumen den Weg. Und auch für Städte wie das kulturgeschichtlich interessante Angers lohnt sich auf jeden Fall das Anlegen.

Hausbooturlaub in Aquitanien

In dieser Gegend im Südwesten Frankreichs sind die Garonne, ihr Seitenkanal sowie die Baϊse und der untere Lot als ihre Nebenflüsse mit Hausbooten befahrbar. Unter den Sehenswürdigkeiten firmieren zahlreiche Schlösser und Bastionen, aber auch Klöster und Abteien, zum Beispiel in Moissac.

Hausbooturlaub in den Ardennen

Das waldreiche Mittelgebirge im Nordosten Frankreichs ist in punkto Hausbooturlaub nicht ganz so bekannt, verfügt aber über zahlreiche schiffbare Wasserwege. Der Canal de la Meuse, Canal des Ardennes und Canal de la Sambre sind die wichtigsten davon. Für kulturell und geschichtlich Interessierte lohnen unter anderem die Städte Sedan, Verdun, Charleville-Mézières und Reims.

Hausbooturlaub in der Bretagne

In der Bretagne bieten sich vor allem die Flüsse Erdre und Vilaine sowie der Canal de Nantes à Brest und der Canal d‘Ile et Rance an. Hier sollte man allerdings kein blutiger Anfänger sein: Einige Strecken sind mit Schleusen gespickt. Und in Meeresnähe ist eine gute, an Ebbe und Flut angepasste Navigation gefordert.

Hausbooturlaub im Burgund

Mit insgesamt 1.900 Kilometern Wasserstraße ist das Burgund für viele Hausbooturlauber die Traumregion schlechthin. Hier verläuft ein großer Teil der schönsten Kanäle Frankreichs. Zum Beispiel der Canal de Bourgogne, der die Yonne mit der Saône verbindet. Allerdings gibt es auf der 243 Kilometer langen Strecke fast 200, oft händisch zu bedienende Schleusen. Und unterwegs durchfährt man sogar am Schleppseil einen über drei Kilometer langen Tunnel, der die Wasserscheide Burgunds unterquert.

Wer es lieber schleusenarm mag, sollte vielleicht auf die Saône ausweichen. Sie durchfließt das bekannte Weinbaugebiet Côte d’Or. Zu den schönsten Kanälen zählt auch der 174  Kilometer lange Canal du Nivernais, der Loire und Seine miteinander verbindet. Den Kanal säumen viele kleine Gasthäuser, wo man abseits vom Massentourismus hervorragend speisen kann. Eine weitere Haupt-Wasserader im Burgund: der Canal du Centre. Die ausgesprochen kurvenreiche Strecke führt an zahlreichen Landgütern und Winzerhäusern vorbei.

Hausbooturlaub in der Camargue

In der Camargue bietet sich zunächst der Canal du Rhône à Sète für den Hausbooturlaub an, der durch die typischen Feuchtgebiete führt. Auf der gesamten, 98 Kilometer langen Strecke zwischen Beaucaire und Sète müssen nur zwei Schleusen überwunden werden. In Sète mündet der Kanal in den Etang de Thau, einen großen Salzsee, der nur durch eine Sandbank vom Meer getrennt ist. Doch Vorsicht: Das Befahren ist nur bei günstigen Windverhältnissen und unter verschiedenen Gewässerschutz-Auflagen erlaubt. Der Etang de Thau ist die Eingangspforte zum 85.000 Hektar großen Salzseen- und Sumpfgebiet der Camargue.

Hausbooturlaub auf dem Canal du Midi

Der 1681 fertiggestellte Canal du Midi, der über 240 Kilometer hinweg die Atlantik-Metropole Toulouse mit der Mittelmeer-Stadt Sète verbindet, ist die älteste künstliche Wasserstraße Europas und gilt als bauliches Meisterwerk. Das verdankt er vor allem Le Grand Bief, einem 52 Kilometer langen Abschnitt, der ganz ohne Schleusen auskommt – ermöglicht durch die Schleusentreppe von Fonsérannes und den Tunnel von Malpas, den ältesten Kanaltunnel der Welt. Die Markenzeichen des Canal du Midi sind seine 64 ovalen Schleusen, die steinernen Bogenbrücken und das Aquädukt von Béziers. Der Canal du Midi mündet schließlich in den Etang de Thau, danach erreicht man das Mittelmeer.

Hausbooturlaub in der Champagne

Hier ist die Marne die Wasserstraße der Wahl. Da er nur wenige Schleusen hat, lässt sich der Fluss, der bei Charenton-le-Pont südöstlich von Paris in die Seine mündet, leicht befahren. Die malerische, größtenteils aus Hügeln und Weinbergen bestehende Landschaft ist ebenso reizvoll wie die kulturgeschichtlich interessanten Städte Reims und Epernay.

Hausbooturlaub auf der Charente

Sie machen nicht nur leidenschaftlich gerne Hausbooturlaub, sondern sind auch passionierter Angler? Dann dürfte die Charente mit ihrem Fischreichtum genau das Richtige für Sie sein. Von Angoulême bis Rochefort, wo er in den Golf von Biskaya mündet, ist der Fluss im Westen Frankreichs schiffbar. Macht 179 Kilometer durch die Regionen Limousin und Poitou-Charentes. Mit 21 ist die Zahl der Schleusen recht überschaubar. Doch 18 davon sind händisch zu bedienen. Schleusenwärter gibt es hier keine. Das touristische Highlight am Charente-Ufer ist zweifellos die Stadt Cognac mit ihren berühmten Branntwein-Distillerien.

Hausbooturlaub in Elsass-Lothringen

Die an Deutschland angrenzenden Gebiete Frankeichs mit dem Hausboot erkunden? Warum nicht: Neben der Mosel bieten auch zahlreiche Kanäle (Canal de la Marne au Rhin, Canal de la Meuse, Canal des Vosges, Canal des Houilères de la Sarre) Gelegenheit dazu. Hier kann man beschaulich durch die Landschaft schippern oder zum Städtetrip aufbrechen: Nancy, Metz, Sedan, Savernes, Sarreguemines und Pont-à-Mousson sind problemlos zu erreichen. Und natürlich Straßburg – der Canal de la Marne au Rhin führt mitten in den pittoresken Stadtteil Petite France hinein.

Hausbooturlaub in der Franche-Comté

Mit dem Hausboot durch die grüne Lunge Frankreichs fahren? Bitte schön: Die Franche-Comté gilt als die waldreichste Region Frankreichs. Und als das Land der Saône. Aber nicht nur die Saône selbst, auch zwei ihrer Nebenflüsse eignen sich hervorragend für Hausbooturlaub. Das Tal der kurvenreichen Seille ist von Wiesen und Seen, das Doubs-Tal dagegen von steilen Felswänden geprägt. Besondere Attraktionen: der Tunnel von Saint-Albin, die Drehbrücke von Selles und das Schloss von Ray-sur-Saône. Beim Landausflug lohnen zudem die Städte Montbéliard, Besanςon und Dole.

Hausbooturlaub im Loire-Tal

Ideal für den Hausbooturlaub: der Loire-Seitenkanal, der über 196 Kilometer von Briare bis Digoin führt. Und es kommen noch einmal gut 100 Kilometer durch seine Verlängerungen dazu: Der Canal de Briare verläuft zwischen Briare und Montargis, der Canal du Loing zwischen Montargis und St. Mammès. Bei Digoin erweitert der Roanne-Digoin-Kanal dieses Kanalnetz in Richtung Süden, der Canal du Centre in Richtung Osten. Zu den touristischen Highlights der Region zählen natürlich die Loire-Schlösser – nicht nur die weltberühmten wie Chambord und Chenonceau, sondern auch die kleineren, von denen nahezu jedes Dorf sein eigenes besitzt.

Hausbooturlaub auf dem Lot

Der Garonne-Nebenfluss Lot bezaubert zum einen mit seinen landschaftlichen Gegensätzen. Sanfte, von Weinbergen bedeckte Hügel säumen seine Ufer ebenso wie atemberaubend schroffe Felswände. Zum anderen bietet er Kultur pur. Zum Beispiel mit dem an der Steilwand „klebenden“ Künstlerdorf St.-Cirq-Lapopie, um nur ein Beispiel zu nennen.

Ein kleiner Wermutstropfen: Der Lot ist nur teilweise befahrbar. Und zwar in folgenden drei Abschnitten:

  • Oberer Lot: 34 Kilometer zwischen Port d’Agrès und Bouillac
  • Oberer Lot: 74 Kilometer zwischen Luzech und Larnagol, 17 Schleusen (nur eine davon automatisch)
  • Unterer Lot: 72 Kilometer zwischen Nicole und Saint-Vite (sechs automatische Schleusen)

Generell gilt: Für einen ersten Hausbooturlaub ist der Lot eher nicht die beste Wahl. Seine Strömung, vor allem am Oberlauf, erfordert Erfahrung. Außerdem gibt es hier keine Schleusenwärter, dafür im Frühjahr und Herbst aber nicht selten Hochwasser.

Hausbooturlaub in der Picardie

In der Picardie stehen die Flüsse Somme, Aisne und Oise ganz oben auf der Agenda. Die Somme zählt zu den fischreichsten Gewässern Frankreichs. Auch in den vielen Weihern links und rechts des Ufers tummeln sich Aale, Karpfen, Hechte, Brassen und, und, und … Fangen darf man sie allerdings nur gegen Gebühr.  Entsprechende Ferienkarten für Angler sind meist an den Bootsverleih-Stellen erhältlich. Mit ihrem dichten Kanalnetz eignet sich die Picardie zudem bestens für Rundfahrten. Der Canal de la Sambre à l’Oise gehört beispielsweise zu diesem Kanalnetz, aber auch der Canal St. Quentin, der Canal du Nord und der Canal de l’Oise à l’Aisne.

Praktische Informationen

Die Voies Navigables de France-VNF (Französische Wasserstraßenverwaltung) verwaltet und pflegt das französische Wasserstraßennetz (6.700 km lang). Auf der offiziellen Webseite (frz., engl.) finden Sie Informationen und Karten der Wasserwege sowie die Schließzeiten und Absperrungen ("Horaires de navigation", "Chômages") der Schleusen.

Wer mit dem eigenen Boot auf Kanälen und Flüssen fahren möchte, benötigt eine „Vignette“. Diese ist über die Französische Wasserstraßenverwaltung erhältlich, kann jetzt auch online erworben werden: Online-Kauf Vignette (Deutsch). 

Mehrsprachige Karten und Reiseführer für Ihre Reise auf dem Wasser werden von folgenden Verlagen angeboten (Fluviacarte, Editions du Breil, Editions Chagnon).