Gare de l'Est: "Abfahrt der Frontsoldaten, August 1914"

  • Das Gemälde Le Départ des poilus. In der Mitte ist der gefallene Sohn des Malers Albert Helter zu sehen.

    Das Gemälde Le Départ des poilus. In der Mitte ist der gefallene Sohn des Malers Albert Helter zu sehen.

    © Albert Helter / wikimedia.org / Garitan

Gare de l'Est: "Abfahrt der Frontsoldaten, August 1914" Gare de l'est fr

Der Gare de l'Est wurde 1850 durch Napoléon III unter seinen ursprünglichen Namen "Embarcadère de Strasbourg" (dt. "Abfahrtstelle nach Strasbourg") eingeweiht. Im 10. Arrondissement von Paris gelegen, verläuft seine Fassade senkrecht zu der vom Stadtplaner Haussmann geschaffenen Nord-Süd-Achse.

Bedeutung des Bahnhofs im 1. Weltkrieg

Anders als das Eisenbahnnetz im Norden der französischen Hauptstadt, hatte das Eisenbahnnetz im östlichen Teil der Stadt weniger eine industrielle, als eine strategische Bedeutung: Es sollte im Falle eines Konflikts mit den deutschen Nachbarn zum Transport der Truppen dienen. Dieser Fall trat am 2. August 1914, einem Tag vor der deutschen Kriegserklärung an Frankreich, ein: Frankreich mobilisierte seine Truppen und Tausende versammelten sich in und um den Bahnhof.
Wie auch in anderen Teilen Europas, war auch in Frankreich die anfängliche Kriegsbegeisterung groß. Vor allem aber dachte 1914 keiner an einen langen Krieg, Während auf deutscher Seite die optimistische Parole "Bis Weihnachten seid ihr wieder da!" ausgegeben worden war, erklangen auf den Bahnsteigen des Gare de l'Est siegessichere Ausrufe wie "Auf nach Berlin! Wir gewinnen!".
Die Hoffnung auf einen kurzen Konflikt wurde jedoch bitter enttäuscht, alleine über den Gare de l'Est reisten zwischen 1914 - 1918 Millionen von Soldaten an die Front, die Ankunftshalle wurde bevölkert von verletzten Heimkehrern.

"Die Abfahrt der Frontsoldaten, August 1914"

An das Schicksal der Frontsoldaten erinnert heute das Fresko "Le Départ des poilus, août 1914" (dt. Die Abfahrt der Frontsoldaten, August 1914; frz. poilus war der Spitzname für französischen Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg) in der Abfahrtshalle des Gare de l'Est. Geschaffen wurde es von dem amerikanischen Maler Albert Helter, in Erinnerung an seinen Sohn, der freiwillig in die französische Armee eingetreten und 1918 an der Front von Bois-Belleau im Departement Aisne gefallen war.

Auf dem Gemälde sind, neben vielen anderen Familien, sowohl der Maler, als auch seine Frau abgebildet, die den Sohn auf seinen Weg in den Krieg verabschieden. Die Figur des Sohnes ist in der Mitte des Bildes platziert. In seinem Gewehr stecken Blumen, die Mütze in der anderen Hand, streckt er die Arme gen Himmel. Seine gelöste, fast euphorische Erscheinung steht im starken Kontrast zu den anderen Anwesenden, die sich sorgenvoll von ihren Angehörigen verabschieden.
Das Gemälde, das ein Geschenk des Künstlers an die französische Eisenbahngesellschaft war, hängt seit 1926 in der Ankunftshalle des Bahnhofs und steht, wie die gesamet Ankunfsthalle, seit 1984 auf der Liste der "Monuments Historiques".