Der Nationalpark Guyana

  • Artenreiche Fauna in Französisch-Guyana

    Artenreiche Fauna in Französisch-Guyana

    © JEH@CTGuyane

Der Nationalpark Guyana gf

Der größte Nationalpark Frankreichs und sogar ganz Europas liegt nicht etwa zwischen Dunkerque und Perpignan. Sondern in Südamerika. Der Parc amazonien de Guyane in Französisch-Guyana hat vor allem ein Ziel: die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt des tropischen Regenwaldes erhalten.

Jaguare, Brüllaffen, Tapire, Kaimane, Boas und Riesenkäfer – in keinem anderen Nationalpark Frankreichs dürfte die Tierwelt so exotisch und aufregend sein wie hier. Und nicht nur das: Auch die Flora ist unermesslich reich, beherbergt der Parc amazonien de Guyane doch mehrere Millionen Pflanzenarten. Beispielsweise kann man auf einem einzigen Hektar Fläche über 150 Baumarten antreffen – etwa zehnmal so viele wie in gemäßigten Klimazonen. Ein Großteil der hier lebenden Tier- und Pflanzenarten ist sogar bis dato unerforscht.

Bedrohtes Naturparadies

Doch es handelt sich um ein Naturparadies mit ungewisser Zukunft. Wie überall im Amazonasbecken ist der Regenwald auch hier im Übersee-Département Französisch-Guyana im Norden Südamerikas durch Rodung bedroht, mit gravierenden Folgen für das ökologische Gleichgewicht und das weltweite Klima.

Um ihn vor weiterem Raubbau zu schützen, kündigte die französische Regierung unter Franςois Mitterand bereits 1992 auf dem ersten Umweltgipfel der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro die Schaffung eines Nationalparks an. Es folgten mehrere konkret ausgearbeitete Projekte, die jedoch alle nicht den erforderlichen Konsens fanden. Erst anderthalb Jahrzehnte später war diese Hürde genommen: Im Februar 2007 ging der Nationalpark an den Start.

Kampf gegen Goldgräber

Von außerhalb nur mit dem Flugzeug oder dem Boot erreichbar, ist der Parc amazonien de Guyane mit rund 33.900 Quadratkilometern der größte Nationalpark Frankreichs und der gesamten Europäischen Union. Etwa 60 Prozent dieser riesigen Fläche gehören zur besonders geschützten Kernzone. Hier wacht eine Naturpolizei über die Einhaltung der Regeln, etwa was die Verschmutzung mit Abfällen oder Verstöße gegen bestehende Jagdverbote betrifft.

Ganz oben auf der Agenda steht der Kampf gegen die illegale und extrem umweltschädliche Goldgräberei, die der Region seit den 1990er Jahren schwer zusetzt. Auch wissenschaftliche Forschung, Wissensvermittlung und Förderung kultureller Veranstaltungen gehören zu den Aufgaben des Nationalparks.

Ökotourismus zum Schutz von Natur und Kultur

Etwas über 10.000 Menschen, verteilt auf die fünf Kommunen Camopi, Maripa-Soula,Papaϊchton, Saint-Elie und Saül, leben im Nationalpark. Meist sind sie Teko, Wayani oder gehören einem der anderen hier ansässigen Indio-Stämme an. Jede dieser Ethnologien hat ihre eigene Sprache und ihre eigene kulturelle Identität.

Auch um den Schutz dieser Identität geht es, wenn die Nationalpark-Verwaltung auf Öko- statt auf Massentourismus setzt. Aufenthalte im Parc amazonien de Guyane werden von ortsansässigen Fremdenverkehrsunternehmen organisiert, die Reisende in kleinen Gruppen an die Natur und Kultur der Region heranführen.

Dorf im Herzen des Regenwalds

Für Naturliebhaber ist das Dorf Saül im Zentrum von Französisch-Guyana besonders attraktiv. Es liegt so abgeschnitten mitten im Regenwald, dass Flugzeuge es mit den Dingen des täglichen Lebens versorgen müssen. Doch zum einen führen von hier aus zahlreiche Wege und Pfade durch den Regenwald, von denen aus man Tiere und Pflanzen beobachten kann. Zum anderen hält das Dorf ausreichend Unterkünfte für Besucher bereit. Und dank ihrer archäologischen Funde ist die Gegend drittens auch für historisch Interessierte spannend.