Armentières im Ersten Weltkrieg

  • Belfried von Armentières

    Belfried von Armentières

    © Wikimedia Comons / Nohannic

Armentières im Ersten Weltkrieg Armentières fr

In Armentières waren die Truppen stationiert, die an den Kämpfen rund um die belgische Stadt Ypres, die unmittelbar an der Westfront lag, im Einsatz waren. Armentières lag ihrerseits nur rund 1 km von den Frontlinien entfernt.

Evakuierung und Bombardement

Die Stadt war während einem großen Teil des Ersten Weltkriegs in britischer Herrschaft. Davon zeugt das berühmte Lied "Mademoiselle from Armentières", das 1915 ein englischer Texter und ein kanadischer Musiker komponiert haben sollen. Es ist ein Hommage an die junge Kellnerin Marie Lecocq, "so gut wie weise", vom Café de la Paix.

Am 10. April 1918 wurde Armentières durch die britischen Streitkräften evakuiert, da die deutschen Truppen in der Schlacht von Lys die, die vierte Flandernschlacht darstellte, immer weiter vorrückten. Als Reaktion auf den deutschen Vormarsch, wurden die Kommunikationswege abgeschnitten und die Stadt bombardiert, um eine Besetzung durch die Deutschen zu verhindern. Im Zuge des Bombardements und der Kämpfe in und um die Stadt wurde Armentières zu rund 90%, darunter das Stadtzentrum und die alte Bürgermeisterei aus dem 17. Jahrhundert, zerstört.

Wiederaufbau nach Kriegsende: "Flämische Renaissance"

Nach dem Krieg bot sich für den Architekten Louis Marie Cordonnier beim Wiederaufbau die Gelegenheit, einen neuen zentralen Platz im Sinne einer idealisierten "Flämischen Renaissance" zu gestalten. Der 67 Meter hohe Belfried, ein Symbol für die kommunalen Freiheiten, verziert mit Erkern und Pechnasen, dominiert den Platz. Auch das Rathaus verkörpert mit der mit Wehrerkern umrahmten Fassade, der Monumentaltreppe und dem großen Salon, der die Nachfolge des Schöffensaals antritt, diesen wiedergefundenen Stolz.

Cordonnier hat auch das pyramidenförmige Denkmal zu Ehren der Toten des Bildhauers Edgar Boutry entworfen, das auf der Seite des Platzes steht. In unmittelbarer Nähe ließ er außerdem eine Mehrzweckhalle erbauen, die  heute als Schauspielhalle "Le Vivat" genutzt wird. Die neue Kirche Saint-Vaast schließlich ragt in neugotischem Stil mit ihrem 83 Meter hohen Glockenturm über das Rathaus hinaus.

Auch haben die Architekten den Wiederaufbau der Industriegebäude in Angriff genommen, wie etwa der ehemaligen Brauerei Motte-Cordonnier an den Ufern der Lys. Die Président Kennedy- Straße bringt ihrerseits die Rivalität der Notablen der Stadt im Hinblick auf die Architektur ihres neuen Wohnorts zum Ausdruck.

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