Jakobsweg: Entspannen in französischen Landschaften

Jakobsweg: Entspannen in französischen Landschaften

Mit rund 180 000 Kilometer ausgewiesenen Wanderwegen ist Frankreich ein ideales Reiseziel für Wanderfreunde und alle, die es noch werden wollen. Fünf Gebirgsketten, drei Küsten und 51 regionale Naturparks warten darauf, entdeckt zu werden. Doch manchmal ist, im wahrsten Sinne des Wortes, der Weg das Ziel, so auch auf dem französischen Teil des Jakobswegs. Ein Interview mit Pascal Duchêne, Präsident des belgischen Vereins Amis de Saint Jacques de Compostelle (kurz ASBL, "Freunde des Jakobsweges") und Liebhaber der zahlreichen Wege, die schließlich alle ins spanische Santiago de Compostela führen. 

Beim Pilgern auf dem Jakobsweg lässt sich Frankreich entdecken. An welchen besonderen Orten und Regionen kommt der Pilger vorbei? 

Frankreich bietet zahlreiche Wege hin nach Compostela! Man zählt vier Hauptorte, die schon seit dem Mittelalter als Treff- bzw. Ausgangspunkte beliebt sind und entlang denen, die Hauptrouten verlaufen: Paris, Vézelay, Puy-en-Velay und Arles. Einige dieser Orte besitzen eine lange Pilger-Tradition, aber auch andere Orte und Regionen,wie z.B. die Bretagne, bieten schöne (Start-) Etappen. Um ganz ehrlich zu sein: Damals wie heute kann man im Grunde natürlich von überall aus nach Santiago de Compostela pilgern. Die französischen Verbände honorieren deswegen Wege von allerorts, insbesondere solche, die die Wege aus Deutschland, Belgien oder Italien weiterführen.

Wenn man in Belgien aufbricht, wie erreicht man den französischen Teil des Jakobsweg?

Die wichtigsten Routen folgen dem Verlauf der Flüsse Escaut und Meuse. Sie ermöglichen den Eintritt zwischen Tours und Paris, bei Vézelay oder auf dem Stück von Puy-en-Velay nach Reims. Hier kann jeder "seinen" Weg individuell nach Interesse, Zeit und auch Schwierigkeitsgrad wählen. 

Welche sind ihre liebsten Routen in Frankreich?

Jeder der Jakobswege hat seinen eigenen Charme, der durch die unterschiedlichen Landschaften, die spirituellen Orte, die für die jeweilige Region typischen Städte und auch die jeweiligen Bräuche und Traditionen entsteht. Da ich noch nicht alle bereist habe, muss ich mich um eine eindeutige Antwort herumdrücken!

Haben Sie denn Lieblingsorte entlang der Wege, die Sie bis jetzt bereist haben?

Lieblingsorte finden sich häufig überraschend und sind nicht zwangsläufig die berühmtesten Orte des Jakobswegs. Ich denke vielmehr, dass sie aus einer Verbindung zwischen Begegnungen und Gastfreundschaft auf dem Weg und in den Unterkünften, dem Eintauchen in die fantastischen Landschaften, der inneren Einkehr und das-über-sich-slbst-herauswachsen entsteht. Für mich persönlich sind, unter anderem, Conques, Vézelay, Saint-Guilhem-le-Désert, L’Ile-de-Noé, Blois und Orléans Orte, an denen ich besondere Momente erleben durfte. Jeder Pilger hat natürlich seine ganz eigenen Lieblingsorte.

Was ist ihr persönlicher Bezug zu dem Jakobsweg?

Entdeckt habe ich den Jakobsweg bzw. die Jakobswege dank meiner Frau. Ich habe das große Glück, seit 1995 bereits viermal die Pilgertour nach Compostela zurück gelegt zu haben. Den Weg von Vézelay bin ich mit der Familie gegangen, gemeinsam mit einem Freund ging es von Puy-en-Velay los und mit einem meiner Söhne startete ich in Arles. Aktuell bin ich mit meiner Frau auf der Route von Tours aus unterwegs. Den Jakobsweg zu gehen ist für mich jedes Mal wieder eine Pause vom Alltag. Ich führe mir währenddessen bewusst vor Augen, was es heißt ein Pilger zu sein.

Denken Sie, dass der Jakobsweg eine gute Möglichkeit ist, um Frankreich zu entdecken? 

Der Pilger interagiert natürlich mit seiner Umgebung und macht entlang seines Weges unterschiedliche Entdeckungen. Unser Motto "Für Jeden seinen Weg" soll es jedem Pilger und jedem Reisenden erlauben, diese Erfahrung gemäß eigener Vorstellungen anzugehen. Auch ein Tourist oder ein Wanderer können sich, ganz unabhängig von Religiösität, von dem Geist des Weges angesprochen fühlen. Hier spielen die Schönheit der Landschaft, die Gastfreundschaft und auch die einmaligen Sehenswürdigkeiten entlang des Weges eine wichtige Rolle. Es kann also sein, dass jemand losgeht und plötzlich etwas ganz anderes entdeckt als "nur" das Land und schließlich, quasi unbeabsichtlich, als Pilger in Compostela ankommt.

Allgemeiner gefragt, was repräsentiert Frankreich in ihren Augen?

Frankreich bietet eine wunderbare Vielfalt an Landschaften, an Bräuchen, an architektonischen und historischen Schätzen und es ist ebenfalls stark mit der europäischen Geschichte und der Geschichte Belgiens verbunden. Ich habe Frankreich mehrmals mit dem Rad durchquert und habe mit meiner Familie bereits viele Regionen besucht. Mir ist dabei aufgefallen, dass die Landschaft, aber auch die Architektur und das Brauchtum sich alle 300 Kilometer verändern. Auch das Temperament der Bewohner kann ganz verschieden sein, es bietet sich eine große Abwechslung und ein großer Reichtum!

Sie kommen gerade aus einem Urlaub in der Provence zurück. Mögen Sie dies Region besonders?

Dort scheint quasi immer die Sonne, die Früchte haben ein unverwechselbaren Geschmack... und natürlich: auch hier gibt es den Jakobsweg zu entdecken!

 

 

Die belgische Verbindung Association Belge des Amis de Saint Jacques de Compostelle hat es sich zum Ziel gemacht, Pilgern und Interessierten bei der Planung und Umsetzung ihrer Tour behilflich zu sein sowie historische, soziale, kulturelle und religiöse Untersuchungen und Studien zu der Verehrung des Apostels Jakobus und seinem Pilgerweg zu fördern und zu verbreiten. 2016 feierte der Verein sein 30 jähriges Bestehen, er arbeitet eng mit anderen europäsischen Jakobsweg-Verbänden zusammen und hat sich besonders der Jugendarbeit verschrieben.