Interview mit Robert de Paca: Tipps für Ihren Aufenthalt in Südfrankreich

Interview mit Robert de Paca: Tipps für Ihren Aufenthalt in Südfrankreich Provence fr

Zur Person

Es gelingt Autor Robert de Paca, in seinen Büchern die ganz besondere Atmosphäre Nizzas einzufangen: Wohlige Sommerwärme, eine frische Brise weht vom Meer heran, Lebensfreude und französische Unbeschwertheit geben den Ton des Krimis vor. In seinen Geschichten tauchen immer wieder Bräuche, Marotten und Redewendungen aus dem Alltag der Franzosen auf. Er kennt sich in der Region aus und ist selbst ein leidenschaftlicher Koch. Robert de Paca weiß also, wovon er schreibt und das macht er für den Leser spürbar. Nach fünfzehn Jahren an der Côte d‘Azur lebt er heute mit seinen zwei Kindern in der Provence und betreibt eine Internet-Kochschule für mediterrane Küche. 

 

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsort in der Provence?

Das sind so viele … vielleicht alle, außer Marseille.

Was sollten Besucher, die zum ersten Mal in der Provence sind, auf jeden Fall unternehmen?

Ich hatte mich vor ein paar Jahren, als ich noch bei Nizza gewohnt habe, mit Freunden in einem Hotel in Gehnähe der Aixer Altstadt einquartiert. So konnten wir abends die verschiedenen Restaurants und das quirlige Nachtleben in den kleinen Gassen genießen. Tagsüber sind wir dann zu Motorradtouren gestartet: mal hinunter in die Calanque de Port-Miou bei Cassis, einen anderen Tag hoch in die nördliche Provence und rund um den legendären Mont Ventoux, natürlich auch einmal durch den Luberon oder hinüber in die Camargue. Die Provence ist so abwechslungsreich. Zum Abschluss sind wir dann alle zusammen durch die Schlucht von Verdon zurück zu mir nach Nizza.

Ihr regionales Lieblingsessen? Ihr Lieblingsrestaurant?

Ich bin leidenschaftlicher Koch, deswegen gehe ich ehrlich gesagt fast nie in Restaurants. Wenn, dann höchstens mal zu einem Sternekoch, weil ich sowas nicht selbst kochen kann und es mir auch zu aufwendig wäre. Ich liebe mediterrane Küche. Egal ob Fingerfood, wie eine Nizzaer Socca mit einem knackig gekühlten Rosé als sommerlicher Imbiss, oder im Winter Schmorgerichte wie eine korsische Daube mit Wildschwein, oder die Camargue-Version mit dem Fleisch der dort freilebenden Stiere. Aber auch mal eine Tajine mit zartem Lamm aus Sisteron, geschmort mit Zucchini, Tomaten und Auberginen, mit marokkanischen Salzzitronen, Honig, Safran und Ras el Hanout, violetten Oliven und Mandelkernen …

Ihr Lieblingsspaziergang in der Region?

Spazierengehen tue ich meist im Wald, um komplett abzuschalten, eine Geschichte zu entwickeln, oder ähnliches. Dabei bekomme ich so gut wie nichts um mich herum mit. Aber ich fahre gerne spazieren, mit dem Motorrad, über die kleinen kurvigen Landstraßen durch die Weinberge, Olivenhaine oder vorbei an den Lavendelfeldern. Über die einsamen Straßen durch die Alpilles oder natürlich über und rund um das Luberonmassif. Da oben gibt es abseits der Hauptstrecke viele Plätze, von denen man einen herrlichen Blick über den nördlichen Luberon hat: Bonnieux, Lacoste, Ménerbes – Peter Mayles Wohnzimmer sozusagen. 

Die Region in 5 Sinnen

  • Geruch: Abgesehen von Küchendüften? Zum Beispiel der Duft der Pinien unter der Hochsommersonne.
  • Geräusch: Das ist eindeutig das Gezirpe der Zikaden. Das ist Sommer, das geht nämlich erst bei circa 25° los.
  • Geschmack: Eine Ochsenherztomate, bis zur letzten Minute am Strauch gereift, nur mit etwas Olivenöl und Fleur de sel, oder eine Orange frisch vom Baum gepflückt.
  • Aussicht: Meerblick ist natürlich schon irgendwie schön, aber ich bevorzuge die unzähligen Schattierungen einer weitläufigen Hügellandschaft. Vor allem, wenn der Mistral den Himmel klargefegt hat und das Licht entsteht, das schon seit jeher die Maler hier so fasziniert hat. Provence: Fifty shades of green, blue, silver … whatever you want.
  • Gefühl: Die warme Luft: Wenn du auch noch spätabends barfuß und in Shorts und T-Shirt auf der Terrasse sitzt oder alle Fenster und Türen offen stehen und beständig ein angenehmer Luftzug durchs Haus zieht.

Was sind Ihre zukünftigen Projekte? Spielen Sie auch in der Provence oder in einer anderen Region?

Ich arbeite gerade an einem Thriller, der eng mit der Geschichte von Aix sowie der provenzalischen Sprache verwoben ist. Das ist zwar viel Recherchearbeit, macht aber enorm Spaß.

Warum Südfrankreich? Was verbindet Sie mit der Region?

Die Lebensart, das Klima. Ich fühle mich hier einfach wohl. Und was das Schreiben betrifft, so baue ich in meinen Büchern immer wieder gerne lokale Geschichten, sowie die Bräuche und Marotten der Franzosen mit ein. Sowas geht natürlich am besten, wenn man sein eigenes Lebensumfeld beschreibt. In der Bretagne oder in Paris spricht man vielleicht dieselbe Sprache, aber die Mentalität ist doch eine andere.

Gibt es für Ihre Figuren reale Vorbilder?

Ich denke, die meisten Charaktere entstehen aus Beobachtung und persönlichen Erfahrungen des Autors. Bei mir ist das jedenfalls so. Meist sind sie aber ein Puzzle aus mehreren Charakteren.

Was sollte man in der Provence machen, um sich wie ein Einheimischer zu fühlen?

Einfach das, was auch die Einheimischen machen. Ich selbst lebe in der Nähe von Lourmarin und meine Kinder lieben es, wenn wir auf den Markt gehen. Nicht den am Freitagvormittag, der ist zwar beeindruckend mit seiner riesigen Auswahl und Vielfalt, aber da kommt man im Sommer vor lauter Menschen kaum mehr durch und er hat auch nicht gerade einen 'Schnäppchencharakter'. Ich meine vielmehr den Markt am Dienstag Abend, auf dem Gelände der ehemaligen Kooperative. Dort kann man sehr preiswert frisches Obst, Gemüse und Kräuter oder Olivenöl direkt von den Erzeugern aus der Umgebung kaufen – viele davon biozertifiziert. Und um 18 Uhr gibt es dann jedesmal ein kleines Schaukochen eines lokalen Küchenchefs. Der sympatische Küchengehilfe mit dem grauen Wuschelkopf, der das jeweilige Gericht anschließend auf Probierschälchen für das Publikum verteilt, ist übrigens Blaise, der Bürgermeister (Mister 100%-wiedergewählt-weil-meist-ohne-Gegenkandidat). Viele der alteingesessenen 'Lourmarins' sind mittlerweile Stammgäste und es herrscht eine fast familiäre Atmosphäre.

Ein Ort bei schlechtem Wetter

Meine Tochter kam eines Morgens – da muss sie so ungefähr acht oder neun Jahre alt gewesen sein – und sagte mit trauriger Stimme: „Papa, ich glaub ich kann heute nicht in die Schule gehen“. Da sie sonst sehr gern in die Schule geht, fragte ich besorgt, wieso. Daraufhin antwortete sie mit großen Augen: „Na guck doch mal raus: Es regnet!“ Da musste ich natürlich lachen und daran denken, wie oft ich damals in meiner Schulzeit in Bayern mit dieser Begründung gefehlt hätte. Aber im Ernst: Wenn es wirklich mal regnet, dann am besten auf eine gemütliche Veranda setzen  -  in Südfrankreich bleibt es ja im Sommer auch bei schlechtem Wetter angenehm warm - und einfach dem Regen zusehen, dem Prasseln lauschen, seinen Geruch einatmen.

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