Interview mit Jean-Paul Gaultier

  • Jean-Paul Gaultier

    Jean-Paul Gaultier

    © R. Torrado

Interview mit Jean-Paul Gaultier fr

Seit den 1970er Jahren stellt der französische Designer Jean-Paul Gaultier die Modewelt auf den Kopf. Neben Bekleidung kreiert er auch weltweit erfolgreiche Damendüfte und entwirft 1990 den berühmten spitzen BH, den Madonna trug. Der Mann mit einer Leidenschaft für Seeleute, der zum Symbol für Einfallsreichtum und Innovation auf französische Art und Weise geworden ist, erzählt uns über seinen Werdegang.

Sie haben einen Werbefilm mit dem Titel "On the Docks" produziert (Video unten am Seitenende), um Ihre beiden bekannten Düfte "Le Male" und "Classique" zu bewerben, die sich an männliche bzw. weibliche Kunden richten. Der Film handelt von einer Liebesgeschichte zwischen einem Mann und einer Frau an den Quais eines Hafens. Wofür steht dieser Ort? 

Seeleute gehören zur Welt meines Parfums "Le Male", daher ist es normal, dass der Film auf einem Schiff spielt. "Querelle de Brest", die Novelle von Jean Genet, bleibt außerdem eines meiner literarischen Lieblingsstücke. Und meine erste Herrenkollektion "The Object of Man" präsentiert Seemänner in Hemden ohne Ärmel. Für mich verkörpern Seeleute das Maskuline. Im Film wollte ich eine Liebesgeschichte zwischen zwei Liebenden, "Le Male" und "Classique", inszenieren, die sich treffen, ineinander verlieben und getrennt werden, um das Thema der Sehnsucht aufzugreifen.

In den 90er Jahren ließen Sie für eine Ihrer Shows nur dunkelhäutige Models über den Laufsteg defilieren. Was halten Sie von der aktuellen Diskussion, dass dunkelhäutige Models in der Haute Couture unterrepräsentiert sind? Würden Sie gern mehr dunkelhäutige Models sehen? 

Ich wollte immer Schönheit in ihren unterschiedlichen Formen zeigen. Seit jeher suche ich vor allem Models mit Stärke und Persönlichkeit. Die Hautfarbe spielt dabei keine Rolle.

Wie haben Sie Ihre Trennung von Hermès im Jahr 2011 erlebt, nachdem Sie dort 7 Jahre als kreativer Leiter tätig waren? Fehlt Ihnen diese Zusammenarbeit?

Wie in allen Liebesgeschichten gibt es einen Anfang und ein Ende. Ich habe wunderbare Erinnerungen aus den 7 Jahren der Zusammenarbeit mitgenommen, aber sie fehlt mir nicht.

Verglichen mit der Zeit Ihrer Anfänge - denken Sie, dass die Modeindustrie heute ihren Sinn für Humor und ihre Kreativität verloren hat?

Der Einfluss großer Konzerngruppen und der Aufstieg der "schnellen Mode" hat die Gesamtlage der Industrie verändert. Kreativität ist die einzige Lösung, um der aktuellen ökonomischen Krise gegenzusteuern.

Sie sind jetzt 62 Jahre alt - was sind Ihre aktuellen Projekte?

Ich besitze immer noch mein Modelabel und bereite meine nächste Show vor. Eines Tages werde ich weniger aktiv sein, aber ich habe mir dazu kein Datum fixiert.

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