Digitale Kunst

  • © Quentin Chevrier pour Digitalarti

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Digitale Kunst

In Zusammenarbeit mit Digitalarti
Wie ihr Name bereits besagt, steht die digitale Kunst im Einklang mit unserem Zeitalter, das unseren Alltag durch die neuen Technologien und das Internet verändert. Im Unterschied zur zeitgenössischen Kunst, begnügt sich die digitale Kunst demnach nicht mit der Umstürzung der ästhetischen Leitlinien, sondern setzt sämtliche Ressourcen der gegenwärtigen Technik ein, und insbesondere die Ressourcen, die aus der elektronischen Revolution und der IT-Revolution hervorgegangen sind. Dieses Zusammenwirken der Kunst und der mit der digitalen Welt verbundenen Technologien gibt Anlass zu neuen künstlerischen Praktiken, neuen Formen von Werken und neuen Beziehungen zum Betrachter.

Ursprünge der digitalen Kunst

Ebenso wie andere Bereiche entstand auch die digitale Kunst in den 80er Jahren, als sich der IT-Bereich und die ersten PCs in großem Stil zu verbreiten begannen.
Seither gibt es beispielsweise Software, mithilfe derer man Musik auf andere Art komponieren und Zeichnungen auf andere Art anfertigen kann. Doch recht schnell wurde der Support selbst, d.h. der Computer und das mit diesem verbundene technische Umfeld (Drucker, Internetverbindung, usw.), zum Gegenstand einer künstlerischen Praktik. Damit waren die ersten „Ziegelsteine“ der digitalen Kunst verlegt.
Die Grundlagen dieses neuen künstlerischen Bauwerks basieren jedoch auf der Videokunst und der kinetischen Skulptur. Die Videokunst ist bereits eine Kunst des Bildschirms und der Geräte. Die Pioniere dieses Genres wie Nam June Paik und Bill Viola läuten die digitale Kunst und deren audiovisuelle Darbietungen ein.

Ebenso ist auch die kinetische Kunst, die durch die Mobile von Calder und die optischen Illusionen von Vasarely symbolisiert wird, bereits eine „antreibende“ Kunst, eine Kunst der Mobilität und der Interaktion mit der Umgebung oder dem Publikum, worin ein weiteres Merkmal der digitalen Kunst besteht. Die digitale Kunst bietet eine im Laufe der technischen Fortschritte ständig wachsende Komplexität und Vielfältigkeit. Die Bewegungssensoren bieten den Künstlern beispielsweise die Möglichkeit des Erprobens von aus interaktiver Sicht bislang noch nie dagewesenen Kunstformen.

Der Künstler als Techniker

Der Künstlerstatus ist wiederum mit dem eines Technikers verbunden, sofern er zur Fertigstellung seiner Modelle nicht unmittelbar auf wissenschaftliche Labore zurückgreift. All diese künstlerischen Erprobungen, die auch aus partizipativen Workshops wie den Fablabs (Zusammenziehung der beiden Wörter FABrikation und LABor) hervorgehen können, teilen die digitale Kunst in Abhängigkeit von den eingesetzten Techniken in vielfältige Schattierungen auf.

Net Art

Das Symbol der digitalen Kunst ist die Net Art, eine Kunst, die ihre Merkmale der Mobilität, Flüssigkeit und Virtualität dem Internet entnimmt und das einem Werk innewohnende Wesen verändert.
Durch den Einsatz des Internets steht den Künstlern wie beispielsweise Olga Kisseleva,JODI, Maurice Benayoun oder Mouchette ein großartiges Erstellungstool zur Verfügung. Eine riesige Daten-, Bilder- und Tonbank. Das Internet ist ein Produktionsort und gleichzeitig auch ein Ausstellungsort, ein Ort der Mitwirkung, der Erprobung und der Kommunikation. Kurzum ein Ort, mit dem die Galerien und Museen nicht konkurrieren können.

Beispiele der digitalen Kunst

Ein digitales Kunstwerk ist unter anderem und in Abhängigkeit von den damit verbundenen Absichten und Techniken ein „Multiple Choice-Werk" (Gregory Chatonsky, My life is an interactive fiction), ein interaktives Werk, das auf die Anfragen der Öffentlichkeit reagiert (Daan Roosegaarde, Lotus 7.0.). Ein Werk in ständiger Entwicklung, das durch algorithmische Programme angetrieben wird (Miguel Chevalier, Fractal Flowers), ein mechanisches, automatenhaftes Werk (Robotlab, Bios [bible]…). Und im Extremfall ein „lebendiges" Werk, im Falle der Bio-Kunst, die Kunst, Wissenschaft und Biotechnologien verbindet (Eduardo Kac, Eudenia). Es&nb ist jedoch auch ein empfindliches Werk, das von seinem technischen Umfeld abhängt, von seinem Alterungsverlust (geplant oder nicht), von seiner Instandhaltung und Aufbewahrung. Die nächsten Jahrhunderte werden zeigen, ob sich die digitale Kunst als ebenso dauerhaft wie die klassischen Künste erweist.

Laurent Diouf

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