Art Déco : Kinos in einer Architektur neuen Stils

  • Das Grand Rex in Paris

    Das Grand Rex in Paris

    © Le Grand Rex

  • Das Louxor in Paris

    Das Louxor in Paris

    © JM HUMBERT / Les Amis du Louxor 2013

Art Déco : Kinos in einer Architektur neuen Stils

Das Kino, eine Synthese aller Formen der Kunst, war der bevorzugte Bereich des „Art Déco“-Stils. Die Kinosäle wurden zu Räumen mit einem erstaunlichen Design, die sich damals wie heute ebenso großer Beliebtheit erfreuen.

Die „Goldenen Zwanziger Jahre“ waren eine Blütezeit in der Geschichte des Kinos. In jener Zeit entwickelten sich über Hollywood die Tonfilme. Die „Art Déco“-Bewegung konzentrierte sich jetzt zunehmend auf das Kino. Diese Symbiose, die zu jener Zeit mit den modernen dekorativen Strukturen von Robert Mallet-Stevens und Fernand Léger ihre Blütezeit erlebte, wird in dem Film mit dem Titel L’Inhumaine („Die Unmenschliche“) von Marcel L’Herbier sehr anschaulich dargestellt. Wenngleich die Stummfilmkinosäle reich mit extravaganten Dekors verziert waren, so bestand die neue Sorge der Architekten, die fortan stärker auf die Akustik bedacht waren, darin, einen Stil mit reineren Formen, von größerer Einfachheit und Eleganz zu entwickeln.

Die ersten Kinopaläste

Die meisten großen Städte bauten in jener Epoche wahre „Kinopaläste“ mit Sälen mit mehreren Tausend Plätzen. Louise Brooks und Gaby Morlay eroberten die Leinwand in Filmen, die in diesen neuen Kinos in Frankreich vorgestellt wurden, die den Architekten Montaut und Gorska zu verdanken sind. Eines der ersten Kinos dieser Art in Frankreich war das Louxor im 10. Pariser Arrondissement. Dieses Gebäude in einem Stil, der an den ägyptischen Stil erinnert, kündigt einen neuen Trend des „Art Déco“ hin zu einem Stil mit exotischeren Ornamenten an. Dieses prächtige Kino wurde in den 80er Jahren zu einem Nachtclub umgebaut, dann wurde es in den 90er Jahren aufgegeben, und schließlich wurde es in diesem Jahre 2013 komplett renoviert und neueröffnet. Heute ist das Louxor wieder ein Kinosaal mit einer nach wie vor zauberhaften Atmosphäre.   

Anfang der 30er Jahre wurde an den großen Pariser Boulevards das Grand Rex erbaut. Diese riesige „Music Hall“ mit einer Fläche von 2.000 m², eine kleinere Ausgabe der New Yorker Radio City Hall, besitzt einen großen Saal mit bunten Trennwänden, in einem Stil, der an die „Art Déco“-Villen der französischen Riviera erinnert. Die kunstvolle Fassade des Gebäudes wurde von dem Architekten Auguste Bluysens (dem ebenfalls das Kasino von Le Touquet zu verdanken ist) entworfen. Die Gestaltung des Innenraums (nach den Plänen von Maurice Dufrêne), an imaginären Städten inspiriert, zeugt noch heute von den kühnen Trends jener Epoche. Das Grand Rex, das heute zugleich ein Kino-Komplex (einschließlich 3D-Kino), eine Festhalle, ein interaktives Kino-Museum und eine unumgängliche Adresse der Nightclub-Szene ist, ist nach wie vor das legendärste Kino in ganz Frankreich.

Auch die Region der Île-de-France besitzt ein prächtiges Kino im „Art Déco“-Stil, das Palace in Beaumont-sur-Oise. Das Palace, das in der Fernsehsendung La Dernière Séance von Eddy Mitchell verewigt wurde, ist ein Kultort der „siebten Kunst“. Sein Dekor inspiriert sich am Thema des Meeres. So hat es seine Fassade im Stil eines Passagierschiffs mit den Bullaugen und den schönen geschwungenen Linien, die in den 30er Jahren sehr modern waren, noch heute beibehalten. Seine eleganten rot-weißen Schaufenster, mit drei Ringen verziert, sind legendär. Nachdem das Gebäude eine „Music Hall“, ein Tanzsaal und dann ein Rollschuhstadion war, wurde in diesem multikulturellen Bau sogar das erste Recital von Charles Aznavour aufgeführt. Dieser Bau, der heute unter Denkmalschutz steht, dient heute wieder seinem einstigen Zweck, denn er wurde als Kino neueröffnet, in dem heute auch 3D-Filme präsentiert werden.