Art Déco : Eine französische Lebensart

  • Das Raubtierhaus des Jardin des Plantes

    Das Raubtierhaus des Jardin des Plantes

    © J Grandin MNHN

  • Das Gewächshaus des Jardin des Plantes

    Das Gewächshaus des Jardin des Plantes

    © Manuel Cohen

  • Das tropische Gewächshaus des Jardin des Plantes

    Das tropische Gewächshaus des Jardin des Plantes

    © Manuel Cohen

Art Déco : Eine französische Lebensart

Mehr als die Kultur hat die künstlerische Bewegung des „Art Déco“ alle Bereiche der französischen Gesellschaft erobert. So sind in diesem Stil mit seiner besonderen Art noch heute zahlreiche Wohngebäude, Schwimmbäder, Parks und Gärten, und sogar Kneipen und Restaurants erhalten! 

Die 30er Jahre begleiteten die Verbesserung der Lebensbedingungen der Franzosen mit dem Bau neuer Orte zur Begegnung, Unterhaltung, aber auch von Zentren für sportliche Aktivitäten und neuen Wohnsiedlungen. So wurden in Paris und seinen Vorstädten Arbeitersiedlungen gebaut. Es entstanden sogenannte „HBM“ (preiswerte Wohnungen) und Gartenstädte („cités-jardins“) ganz im „Art Déco“-Stil, deren ausgesprochene Einfachheit der Räume eine perfekte Antwort auf die Probleme des Wohnungsbaus war. Diese Gebäude finden Sie in Le Pré-Saint-Gervais, im Herzen der Gartenstadt von Henri Sellier. Eine ähnliche Nächternheit finden Sie in der Gartenstadt von Suresnes, einer weiteren Konzeption von Henri Sellier. Noch heute sind ganz um Paris herum etwa fünfzehn dieser Gartenstädte anzutreffen. Bewundern Sie auch den luxuriöseren Bau des Hôtel Particulier Renard in Boulogne-Billancourt, einen Entwurf des Architekten Jean-Léon Courrèges. Dieses war fast zwanzig Jahre lang die Residenz des französischen Schriftstellers André Malraux. Schauen Sie sich auch die Fassade des Rathauses von Puteaux mit seinen imposanten Kolonnaden, die zu beiden Seiten des Gebäudes den Fenstern vorgesetzt sind. Ebenso zu nennen ist die Villa der Gebrüder Martel im 16. Pariser Arrondissement mit ihren großen Buntfenstern von Barillet, die den zentralen Turm erhellen, und ihrer Tür mit den Kunstschmiedearbeiten mit abwechselnd gebrochenen Linien von Jean Prouvé. 

Weitere Lebensräume, für sportliche Aktivitäten, sind die Schwimmbäder: Gleich neben der „HBM“-Siedlung der Rue des Amiraux befindet sich das gleichnamige Bad, konstruiert von Henri Sauvage. Über dem Bad öffnen sich zwei Etagen mit Laufgängen direkt auf Kabinen im Stil eines „Passagierschiffs“. Die Kacheln mit den Ornamenten ähneln der der Pariser Metro. Dieselbe Architektur ist in den Bädern der Butte aux Cailles (13. Arrondissement) und von Molitor (14. Arrondissement), anzutreffen (die jedoch zur Zeit beide wegen Renovierungsarbeiten bis 2014 geschlossen sind), ebenso im Bad von Pantin, das weiterhin geöffnet ist. Das Lutetia-Bad von Saint-Germain-des-Prés, hingegen, wurde umgebaut. In diesem Bau des Architekten Lucien Béguet, das 2005 unter Denkmalschutz gestellt wurde, befindet sich heute ein Hermès-Luxusgeschäft. Schauen Sie in dieses Gebäude mit seiner außerordentlichen Architektur ruhig einmal herein! 

Was die Parks und Gärten betrifft, so sind der Wintergarten, das Raubtierhaus und das tropische Gewächshaus des Jardin des Plantes wahre Schätze des „Art Déco“. Unter den Pariser Restaurants ist die Brasserie La Coupole ein wahres Juwel des „Art Déco“, ein unumgängliches Emblem der Geschichte von Montparnasse, im 14. Pariser Arrondissement. Die Pilaster wurden von 27 verschiedenen Malern angefertigt, und hier können Sie auch mit die mit einer marmorähnlichen Materialie verkleideten Säulen, die Mosaike im kubistischen Stil, die Vertäfelungen aus Zitronenbaumholz und die Kronleuchter des Glaskunstmeisters Jean Perzel bewundern. Ebenfalls unter Denkmalschutz steht das Restaurant Prunier im 16. Arrondissement, das Sie mit seinem Dekor im Marine-Stil im sehr ausgeprägten „Art Déco“-Stil von Louis-Hippolyte Boileau, seinen Einlegearbeiten mit goldenen Rauten auf schwarzem Marmor, seinen geometrischen Glasgravuren auf Kupfer und seinen tiefblauen Mosaiken ins Träumen versetzen wird...