1914-2014: Frankreich gedenkt des Ersten Weltkriegs

  • Friedhof Souain Perthes les Hurlus in Champagne-Ardenne

    Friedhof Souain Perthes les Hurlus in Champagne-Ardenne

    © CRT Champagne-Ardenne

  • Memorial von Verdun

    Memorial von Verdun

    © CRT Lorraine

  • Internationale Gedenkstätte (Eröffnung November 2014) der 590.000 Soldaten, die in Nordfrankreich im 1. Weltkrieg gefallen sind.

    Internationale Gedenkstätte (Eröffnung November 2014) der 590.000 Soldaten, die in Nordfrankreich im 1. Weltkrieg gefallen sind.

    © Agence d'architecture Philippe Prost

1914-2014: Frankreich gedenkt des Ersten Weltkriegs

Von August 1914 bis November 1918 war Frankreich der Schauplatz des mörderischsten und verheerendsten Krieges, den die Menschheit bis dahin gekannt hatte. Fünf Jahre lang standen sich von der Nordsee bis zur Schweizer Grenze entlang einer 1.000 km langen Kriegsfront Millionen französischen, deutsche, britische, kanadische, australische, neuseeländische, amerikanische, russische, senegalesische und noch viele andere Soldaten aller fünf Kontinente gegenüber, die sich mit den damals modernsten und schärfsten Waffen fast täglich bekämpften. Ihr Kämpfen und Sterben hat den französischen Boden auf immer geprägt und ist heute Teil der kollektiven Erinnerung, gleichzeitig wurden dadurch auch unsere gegenwärtigen Hoffnungen auf einen internationalen Frieden genährt.

Ab Herbst 1914, einige Wochen nach der Invasion der deutschen Armee, kam der Bewegungskrieg zum Erliegen, da die Kriegstruppen von den ersten Schlachten erschöpft waren. In den Ebenen des französischen Nordens und der Champagne, in den Wäldern Lothringens und im Vogesengebirge vergruben sich die Soldaten in den Schützengräben, in denen sie sich gerade befanden. Der Krieg nimmt somit eine andere Form an: die Gräben der beiden feindlichen Stellungen, die nur wenige 100 m (manchmal sogar weniger) voneinander entfernt sind, werden zu wahren unterirdischen Netzwerken ausgebaut. Große verlustreiche Offensiven werden geführt, um den Gegner zum Aufgeben zu zwingen, wie in der Provinz Artois 1915, in Verdun und an der Somme 1916 und im Departement Aisne 1917. Aber keine Seite kann erfolgreich die Front des Gegners durchbrechen, bis zu den deutschen Offensiven und den Gegenoffensiven der Alliierten 1918.

Von Nord-Pas de Calais bis ins Elsass, über die Regionen Picardie, Champagne-Ardenne und Lothringen können die Besucher auf den unzähligen Spuren des Ersten Weltkrieges wandeln und in die Kriegsvergangenheit eintauchen: durch die Grabennetze und Granatenkrater im Vogesenwald streifen, in den riesigen Friedhöfen und Gedenkstätten von Artois eine Andacht einlegen, sich die Alltagsgegenstände im Historial de Péronne ansehen, die Festung von Pompelle in Reims oder jene von Leveau in Maubeuge besichtigen, die Steinbrüche und unterirdischen Galerien in den Departements Aisne und Oise erkunden oder einen Blick in die schwindelerregenden Tiefen der Sprenglöcher von La Boisselle oder Vauquois werfen.

Neue Denkmäler und Museen

Um die Erinnerungen an diese schwere Zeit aufrecht zu erhalten und den Besuchern die Ereignisse des 1. Weltkriegs näher zu bringen werden anlässlich dieses Gedenkjahres neue Denkmäler und Museen eingeweiht:

Mai 2015 - Souchez – Pas-de-Calais
Interpretationsportal der Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges in Französisch-Flandern und der Provinz Artois.
Dieses neue Denkmal in schlichter Architektur ist ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungswege im Departement Nord-Pas-de-Calais. Auf einer Gesamtfläche von 1.200 m² werden in vier Sprachen historische Informationen über die Ereignisse des Ersten Weltkrieges vermittelt. Sieben Themenbereiche behandeln die wichtigen Phasen des Konflikts. In einem eigenen Bereich für Erinnerungsforschung kann man den Parcours der Soldaten aller Nationalitäten verfolgen, die auf dem Boden der Region gefallen sind. Ein pädagogischer Raum ermöglicht eine Vertiefung bestimmter Themen, und eine Informationsstelle für Erinnerungstourismus lädt zur Entdeckung einer Region ein, die in Bezug auf die Dichte dieser wichtigen Gedenkstätten zu den beeindruckendsten der Welt gehört. Der Zugang zu den Infrastrukturen ist für die Besucher kostenlos.

Juni 2014 – Fort de la Pompelle
Neugestaltung des Fort de la Pompelle und seines Museums
Deutsche, Franzosen und Russen standen sich hier während fast des gesamten Krieges gegenüber. Hundert Jahre später trägt das Fort de la Pompelle immer noch die Spuren dieser Kämpfe. Zur Hundertjahrfeier werden die Festung und das Museum neu gestaltet, damit die Besucher diesen geschichtsträchtigen Erinnerungsort durchstreifen und verstehen können.

28. Juni 2014 - 80200 Péronne
Einweihung des 6. Kontinents
Der 6. Kontinent wurde auf Initiative des Generalrats des Departements Somme geschaffen und ist ein landschaftliches Werk, das vom Landschaftsarchitekten Gilles Clément im Frühjahr 2014 geschaffen wird. Der 6. Kontinent ist als Land des Friedens für die ganze Menschheit konzipiert und wird gegenüber dem Historial de la Grande Guerre angelegt. Der 6. Kontinent ist eine Hommage an den Frieden und wird am 28. Juni 2014 eröffnet werden, d.h. genau ein Jahrhundert nach der Ermordung in Sarajevo, die den Ersten Weltkrieg ausgelöst hat. Zu diesem Anlass wird ein Konzert veranstaltet.

Juli 2014 – 59249 Fromelles - Nord
Eröffnung des Musée de la Bataille de Fromelles (dt. Museum der Schlacht von Fromelles)
Dieses Museum setzt auf 520 m² der Schlacht von Fromelles ein Denkmal und wird sich halb-unterirdisch in einem Bunker befinden. Ein 80 m² großer Bereich wird für befristete Ausstellungen reserviert sein. Das Museum wird in fünf Themenbereiche gegliedert sein: Ausgrabungstechniken, der Grabenkrieg, die Schlacht am Bergkamm von Aubers und Neuve-Chapelle, der War Room und Soldatenportraits.

November 2014 - 62153 Ablain-Saint-Nazaire
Einweihung der internationalen Gedenkstätte für die Soldaten, die im Ersten Weltkrieg im Departement Nord-Pas de Calais gefallen sind.
Diese neue Gedenkstätte (eine der größten der Welt) in einer sehr modernen und konsensuellen Ellipsenform wurde vom Architekten Philippe Prost entworfen und ist eine Hommage an die 590.000 Soldaten, Freunde und Feinde von gestern, die auf den Schlachtfeldern im Nord-Pas de Calais zwischen 1914 und 1918 gestorben sind.

Informationen

Ausführliche Informationen zum Gedenkjahr des 1. Weltkrieges, Veranstaltungen und Hintergrundinformationen finden Sie auf der speziell eingerichteten Webseite: www.centenaire.org.

Auch die Fremdenverkehrsämter der entsprechenden Regionen haben dazu Informationen vorliegen. Spezielle Informationen zu den einzelnen Gegenden finden Sie auch auf den nebenstehenden Webseiten.