Jean Blaise - Straßenkultur

By Julie Rovero-Carrez | Published on 30 November 2016
  • ESTUAIRE 2012

    ESTUAIRE 2012

    © Gino Maccarinelli - LVAN

  • Le bar

    Le bar

    © Patrick Gerard - LVAN

Jean Blaise - Straßenkultur Le Havre fr

"Der beste Weg, Kunst mit anderen zu teilen, ist, den Menschen mit ihr öffentlich in Berührung zu bringen." So lautet ein Motto, das der künstlerische Leiter Jean Blaise sehr schnell verinnerlicht und angewandt hat. Seit seiner ersten Begegnung mit der Kunstszene vermittelt er kontinuierlich das, was er selbst als Wunder betrachtet.
Mit der Veranstaltung Le Havre 2017 wird Jean Blaise erneut sein stetig wachsendes Publikum in Erstaunen versetzen. Erleben Sie dieses Event im Mai 2017!

Mein Werdegang

"Ich wurde in Algerien geboren und wuchs in einem glücklichen familiären Umfeld auf. Eher zufällig kam ich mit Kunst in Berührung: Meine Eltern besuchten keine kulturellen Veranstaltungen und es gab bei uns keine Bücher! 1962 kamen wir nach Frankreich. Dort freundete ich mich mit einem Jungen aus einer emanzipierten, bürgerlichen Familie an: Sie hatten stapelweise Bücher zu Hause sowie Schallplatten von Bach, die Zeitschrift Lui und den Roman "Unter dem Vulkan" von Malcolm Lowry. Da hat es bei mir Klick gemacht: Ich begriff, dass es eine mir noch unbekannte Welt gab. Ein Wunder, das ich unbedingt teilen wollte, damit jeder es erleben konnte. Nach meinem Studium in Bordeaux leitete ich mehrere Kulturzentren (in Frankreich selbst und auf Guadeloupe). Mir gefielen dort sofort der Teamgeist und die gemeinsame Arbeit.


Anschließend begann ich mein berufliches Abenteuer in Nantes, einer Stadt, die seinerzeit noch sehr schläfrig wirkte. Dort gründeten wir das Maison de la culture und ein nationales Tourneetheater: von La Roche-sur-Yon bis Saint-Nazaire mussten wir uns immer wieder an die Gegebenheiten der jeweiligen Stadt anpassen. 1989 schufen wir in Nantes das  Festival des Allumées. Bei jeder Ausgabe präsentiert es eine andere internationale Großstadt und ihre Kunstszene, von 18 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Die Werke sind an ungewöhnlichen Orten ausgestellt, beispielsweise in Industriebrachen. Vom ersten Jahr an änderte sich das Image der Stadt - es verjüngte sich und wurde innovativer.
Weiter ging das Abenteuer mit dem Festival Fin de siècle; die letzte Ausgabe im Jahr 2000 endete mit der Eröffnung des Lieu unique, der ehemaligen Nanteser Keksfabrik der Firma Lu. Die Idee bestand darin, die Maison de la culture neu zu überdenken. Wir haben sie uns als künstlerischen Erlebnisraum vorgestellt, der jederzeit geöffnet ist. Ein Ort des Lebens, an dem die Leute sich wie zu Hause fühlen: Jedes Modul stellt übrigens einen Wohnraum dar. Beim Erkunden der Umgebung entstand der Wunsch, ein Konzept der Metropolen von Nantes bis Saint-Nazaire ins Leben zu rufen. Wir wollten eine Veranstaltung konzipieren, die es ermöglicht, dieser Gegend rund um die Loire und die Flussmündung - eine außergewöhnliche, aber unterschätzte Landschaft - ein Gesicht zu geben. Wir haben große Künstler vor Ort arbeiten lassen, so wie Daniel Buren. 30 Werke wurden übrigens dort aufbewahrt.


In dem Bewusstsein, dass Kunst und Tourismus eng miteinander verbunden sind, wurde 2011 Voyage à Nantes ins Leben gerufen, um die Strukturen aus dem Kulturbereich mit dem Fremdenverkehrsamt zu verknüpfen. Ein Großereignis war jedoch notwendig, um dieses Projekt anzustoßen: So wurde im Folgejahr das Event Voyage à Nantes initiiert. Dabei handelt es sich um einen 15 km langen Stadtrundgang vorbei an kulturellen Orten, Denkmälern, aber auch öffentlichen Kunstinstallationen. Die Auswirkungen auf die touristischen Besucherzahlen sind deutlich: 40% mehr Übernachtungen in 5 Jahren!
2011 bat mich der Bürgermeister von Le Havre, an der Kulturtagung der Stadt, den "Assises de la culture" teilzunehmen, um der Stadt zu neuem Aufschwung zu verhelfen. Das waren die Anfänge von Havre 2017"

Le Havre 2017: eine Stadt in Feierlaune

Der Hafen und die Stadt von Le Havre wurden 1517 von König Franz I. gegründet. Um diesen 500. Geburtstag würdig zu feiern, wandte sich die Stadtverwaltung an den künstlerischen Initiator der Nuit Blanche! Auch hier wird Jean Blaise die bedeutenden Orte und Museen der Stadt einnehmen und die Straße zu seiner Spielwiese machen. Der künstlerische Leiter hat freie Hand und möchte die Stadt neu interpretieren.


"Künstler sehen mehr als wir. Sie wissen, wie man eine Stadt ins rechte Licht rückt. Es ist auch zwingend notwendig, die Einwohner mit einzubinden. So gibt es beispielsweise grafische Arbeiten an den Strandhütten von Le Havre - eine Aktion, die von den lokalen Veranstaltern des Festivals, Une Saison Graphique, initiiert wurde. Die Farben werden nach einem komplizierten Algorithmus ausgewählt."


Die große Parade am ersten Tag, unter Leitung des Kollektivs Art Point M, wird von Freiwilligen gestaltet: Kostümiert ziehen sie durch die Straßen. Das Programm beinhaltet künstlerische Darbietungen, renommierte Ausstellungen sowie Wassersportevents. Zu den Höhepunkten von Le Havre 2017 zählt der chinesische Künstler Cai Guo Qiang mit seinem stillen Feuerwerk am helllichten Tag, das an das berühmte Kunstwerk von Monet "Impression, Sonnenaufgang" angelehnt ist, das Monet 1872 in Le Havre malte. Aus diesem Anlass werden im MuMa weitere berühmte impressionistische Werke ausgestellt.
Ebenfalls vormerken sollte man sich Stéphane Thidet, der einen Brunnen mithilfe zweier starker Wasserstrahlen nachbildet. Die Straßentheatergruppe "Royal de Luxe" mit ihren berühmten Riesen vervollständigt das Programm.


Unbedingt im Terminkalender notieren: 27. Mai bis 8. Oktober 2017… 4 Monate, in denen man Le Havre (wieder-) entdecken kann!

"DNA"

Wie würden Sie Ihre Arbeit in 3 Worten beschreiben? "Städte in Szene setzen"
Inspirationsquelle für neue Ideen? "Alles als Abenteuer betrachten"
Beschreiben Sie Le Havre 2017 in 3 Worten? "Die Stadt als Freiluftmuseum"

Le Havre

"Ich bin jedesmal wieder aufs Neue von dieser Stadt überwältigt. Trotz ihrer großen Straßen hat sie eine überschaubare Größe. Diese Stadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, besitzt einen enormen architektonischen Reichtum (Auguste Perret, Oscar Niemeyer) und mit ihrem riesigen Hafen und den Containern, die man schon von weitem sieht, fühlt man sich am anderen Ende der Welt, zumindest am anderen Ende Frankreichs!"
3 Worte, die Le Havre beschreiben? "Luft, Perspektiven, Meer"
Ein Geruch? "Meer"
Ein Geräusch? "Ruhe"
Ein Geschmack? "Salz"
Eine Aussicht? "LES JARDINS SUSPENDUS"

Meine Tipps

Ein Restaurant?
« Jean Luc Tartarin »
73 avenue Foch, 76600 Le Havre
+33 2 35 45 46 20
Ein Bistro?
« Le SPI »
45 Chaussée John Kennedy, 76600 Le Havre
+33 2 35 42 44 14
Eine Bar?
« Le SPI »
Ein Ort der Bildung?
« Bibliothèque Oscar Niemeyer »
2 Place Niemeyer, 76600 Le Havre
Ein Gebäude?
« Eglise Saint-Joseph »
Boulevard François 1ᴱᴿ, 76600 Le Havre
Ein Ort zum Spazierengehen und Träumen?
« Le bout du monde »
Promenade de Sainte-Adresse, 76600 Le Havre

Sehenswert

In der Nähe